Damals in der Grundschule…

Wo ich gerade die Tintenminen sehe, die blau gefüllt und seit Jahren unberührt neben mir in einem Glas liegen, fällt mir spontan etwas ein. Wenn man Dinge beigebracht bekommt, wird man oft zu seinem Glück gezwungen. Wo man Ratschläge erwartet, wird man mit Kommandos überhäuft (siehe Michis Beitrag).

Damals in der Grundschule musste ich halt schreiben lernen — was jetzt nicht so das Problem war. Ich musste aber einen sogenannten Füllfederhalter (kurz “Füller”) dafür gebrauchen, den ich nicht hatte und eigentlich seitdem nie wieder benutzt habe. Es war zu der Zeit die Voraussetzung, um die ach so schöne Schreibschrift zu erlernen und sie mit all der Filigranität einer wurstfingrigen Kinderhand umzusetzen… Mittlerweile schreibe ich nicht nur mit Kuli, ich zeichne auch damit.

Ebenfalls in der Grundschule hatte ich Malunterricht, der mir schnell zeigte, wozu ich befähigt war. Wie Michelangelo Buonarroti pinselte ich ein Meisterwerk nach dem anderen auf meinen DinA3 Block. Mein Lehrer erkannte das Genie in mir und sah sich und die anderen Schüler in ihrem Werk bedroht. In seiner Furcht handelte er überstürzt, entriss mir meinen geliebten Feinhaarpinsel und warf ihn dramatisch in den Mülleimer. Ich war das Gespött der Klasse und musste fortan einen Borstenpinsel verwenden — den ich weder besaß noch besitzen wollte. Doch alle hatten einen Borstenpinsel, also sollte ich auch einen haben. Nach dem Unterricht ging ich vorsichtig zum Mülleimer und holte mir meinen geliebten Pinsel wieder.

15 Jahre später. Ich bin Student im ersten Semester. Ich freue mich auf den Zeichenkurs, um besser denn je Formen, Portraits und Räume aufs Papier zu bringen. Ich habe alle meine Lieblingsstifte dabei und den Kuli fest umklammert. Es geht los. Eine Predigt. Wir sollen großformatig arbeiten… und auf gar keinen Fall, niemals, never ever industriell gefertigte Stifte wie Kugelschreiber oder Filzstifte verwenden. Ich kauere mich innerlich zusammen — den Kuli noch immer fest umklammert. Mein Bewusstsein entgleitet der Realität. Ich bin wieder in der Grundschule. Die Professorin entreisst mir meinen Kuli und wirft ihn dramatisch in den Mülleimer.

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