Spoiler, Leaks und Fantheorien

Es gibt Themen in der Nerdlandschaft, die unberührt an mir vorbeiziehen (Doctor Who). Dann gibt es diese popkulturellen Phänomene, die ich halbwegs aktiv, aber eher passiv verfolge (Harry Potter). Und ich habe natürlich auch meine Lieblinge. Dazu zählt neben Star Wars ganz klar Game of Thrones. Hierbei entwickle ich eine schier ungesunde Infromationspflicht. Ich kann mich stundenlang durch Fantheorien lesen, die niemals eine Relevanz haben werden in den Originalgeschichten, geschweige denn in meinem alltäglichen Leben. Wo ich früher Spoiler gemieden habe wie die Pest, gehören sie nun zur Faszination dazu, sie tragen gar hauptsächlich dazu bei.

Meine Hauptquelle für Zusatzinformationen ist Reddit. Eigentlich sollte man einen großen Bogen um Reddit machen. Dafür gibt es zahlreiche traurige Gründe. Doch so sehr Reddit auch von Arschlöchern untergraben wird, so gut sind teilweise die Beiträge und Linksammlungen für spezifische Themen. Die Nutzer kommentieren aktuelle Episoden oder diskutieren komplizierte Theorien. Im Subreddit /StarWarsLeaks habe ich zum Beispiel meinen Hype zu The Force Awakens über ein Jahr lang vor Erscheinen des Films ausgelebt. Und obwohl ich mich darüber fast komplett gespoilert habe, hatte ich eines meiner besten Filmerlebnisse.

Meinen Hunger nach Game of Thrones-Bissen stille ich über die Subreddits /gameofthrones und /asoiaf. Dort wird auf hohem Niveau und mit viel Witz über die Serie und die Bücher von George R.R. Martin gefachsimpelt. Dank der Voting-Funktion kann man sich darauf verlassen, dass meistens die besten oder lustigsten Beiträge hervorgehoben werden. So kann man schnell überfliegen, was beliebt ist, und man verschwendet keine Zeit damit, sich durch eine endlose Liste von Nichtigkeiten zu scrollen.

Falls ihr also auch ein Fandom habt, dass ihr leidenschaftlich verfolgt, dann traut euch und lasst euch spoilern.

Game of Thrones S06 (2016)

Es ist vorbei – fürs Erste. Game of Thrones hat sich spektakulär aus der sechsten Staffel verabschiedet. Hier folgen ein paar spoilerfreie Gedanken dazu.

Seit ich mich an Game of Thrones erinnern kann, ist es mehr als eine Serie. Es ist ein Ereignis. In Zeiten von Netflix und Binge-Watching muss man es einer Serie hoch anrechnen, dass ich auf jede einzelne neue Folge sehnsüchtig warte und sie so schnell wie möglich gucke, um nicht gespoilert zu werden und um mitreden zu können. Ich gehe ins Büro und frage als erstes, ob alle die neueste Folge gesehen haben, um das soziale Gefüge einschätzen zu können. Man will ja niemandem etwas vorwegnehmen bei einer Serie, wo regelmäßig ganze Familien ausgelöscht werden. Wenn dann alle Kollegen auf dem neuesten Stand sind, beginnt das Name-Dropping, die emotionale Beschreibung von Szenen und das Abgleichen von Meinungen und Stimmungsbildern. Ich liebe dieses Phänomen.

Die sechste Staffel von Game of Thrones hatte wieder ihre Schwächen, aber im Gegensatz zur fünften Staffel hatte sie deutlich mehr Stärken und einen geraden Kurs, den sie gefahren hat. Denn wir befinden uns im Endspurt. Es folgen nur noch zwei verkürzte Staffeln mit insgesamt 13 Episoden. Und es gibt noch viel zu erzählen, aber nicht mehr so viel, wie ich befürchtet hatte. Staffel 6 brachte viele Antworten und weniger Fragen. Die Charaktere bewegten sich wieder zueinander hin. Und während die ersten Staffeln subversiv die Helden zu opfern machten, handelt es sich immer mehr um eine klassische Heldengeschichte. Dennoch ist und bleibt es Game of Thrones und kein Schicksal ist gewiss. Ich bin noch immer sehr gespannt auf die Zukunft vieler tragender Figuren.

Ich habe zwar nur Teile der Bücher von George R.R. Martin gelesen, aber ich bewege mich gerne im Bereich der Spoiler und weiß mittlerweile, wie sehr sich die Serie von den Büchern unterscheidet. Die letzten beiden Werke fehlen noch, sodass die Serie die Bücher bereits überholt hat. Es ist bekannt, dass beide Versionen der Geschichte auf das gleiche Ende zusteuern, aber die Wege werden anscheinend drastisch anders erzählt werden, um das Beste aus beiden Erzählformen herauszuholen. Nach dieser Staffel freue ich mich umso mehr auf die ausführliche Variante von George R.R. Martin, weil doch sehr viele Details stark verkürzt erzählt und nicht ganz erklärt wurden. Das mag viele verärgern und die Qualität der Serie schmälern, aber ich freue mich auf die Möglichkeit, tiefer in die Geschichte eintauchen zu können. Immerhin ist die Serie seit der zweiten Staffel immer mehr zu einer Fanfiction mutiert, die mehr Action präferiert und Charaktere teilweise anders darstellt.

Die Mutation gefällt mir allerdings. Ich kann mit den Schwächen der Serie (meistens) gut leben und die Stärken genieße ich ungemein. Ich hatte viel Spaß, was wohl auch daran lag, dass ich mittlerweile tief in der Materie stecke und mich über die Grenzen der Serien hinweg informiere. Die sechste Staffel gehört so neben Staffel 1 zu meinen Favoriten.

Der Name des Windes

In seiner Welt gibt es zwar Magie, aber die wahre Magie findet in seinen Worten statt. Patrick Rothfuss schreibt nämlich auf eine bezaubernde Art und Weise. Der Name des Windes ist ein Fantasy-Roman, ja, aber auch ein gutes Buch. Ich gehörte zu der Sorte Mensch, die sich nicht vorstellen konnte einen 1000-seitigen Groschenroman über Könige und Drachentöter zu lesen. Und jetzt ist es doch passiert und ich singe ein Loblied auf eine fantastische Welt mit Königen und Drachentötern. Und ich muss gestehen, dass es sich hier um alles andere als einen Groschenroman handelt.

In Der Name des Windes geht es um den legendären Kvothe, einen berühmten Magier, Musiker und Königsmörder. Es geht um eine Tragödie in seiner Kindheit und sein Leben danach. Er ist hochintelligent, überlebensfähig und überdurchschnittlich stolz und stur. Und anders als bei Fantasy, die man im Fernsehen oder auf der Leinwand sieht, geht es hier nicht um spektakuläre Action. Primär ist Der Name des Windes eine Geschichte über die kleinen Momente des Lebens und über das Erwachsenwerden. Die Action geht unter in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Und ich hoffte bereits auf den nächsten kleinen Dialog, als Kvothe gerade Menschenleben rettete und zum Helden avancierte.

Wie jeder gute Fantasyroman ist auch Der Name des Windes Teil einer Trilogie. Die Reihe heißt The Kingkiller Chronicle oder Die Königsmörder-Chronik. Es sind bis jetzt zwei Teile erschienen und ich kann jedem alles empfehlen. Im Original auf Englisch liest es sich toll, die deutsche Übersetzung ist überzeugend und das deutsche Hörbuch klingt sehr gelungen. Und ja, die Film- und Fernsehrechte sind bereits verkauft und man arbeitet aktuell an einer Umsetzung, die hoffentlich die klaffende Lücke nach dem Ende von Game of Thrones füllen wird.

🔗 Miegakure – Ein Spiel in 4D

Passend zur E3, ein ambitioniertes Spiel. Mit Miegakure hat sich der Macher Marc Ten Bosch zum Ziel gesetzt, ein Spiel in 4D zu kreieren. Oder ein Spiel über 4D? Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles verstanden habe. Auf jeden Fall haben wir es hier mit einem großen Gedankenexperiment zu tun, das seit über sieben Jahren in der Entwicklung ist.

Wie stellt man vier Dimensionen dar, obwohl man sich nur drei vorstellen kann? Über einen geschickten Umweg. Man stellt sich vor, was ein zweidimensionales Wesen in einer dreidimensionalen Welt sehen würde und überträgt das.

Viele Videos und Erklärungen findet man auf Miegakure.com.

Und hier ist noch ein ausführlicher Talk von Marc Ten Bosch über Miegakure.

🔗 Full Metal B*tch

Edge of Tomorrow‘s Angel of Verdun: Nuanced Female Characters (Kleine aber feine Spoilergefahr!)

He’s basically following her instructions the entire film. Yes, he gets better and better in battle the more times he experiences the day – but he never surpasses her. He has to work to get up to her level.

Yes, Rita inspires him. But she inspires the whole world, and with good reason. He’s not trying to win her approval, or win her romantically, or even protect her. She inspires him, because she’s the kind of person he wants to be, which is extremely rare in film. It’s rare that we see a male character (several, in fact) in a film look up to a female character; want to be her.

Nachtrag zu Edge of Tomorrow und Emily Blunts Rolle. Es sollte mehr Frauenfiguren wie ihre in Filmen und anderen Medien geben.

 

Edge of Tomorrow (2014)

Und täglich grüßt das Murmeltier mit Action und Aliens. So einfach lässt sich Edge of Tomorrow zusammenfassen. Etwas länger klingt das dann so: Tom Cruise wird vom Kriegsverweigerer zum Supersoldaten, indem er die Fähigkeit erlangt, mit jedem Tod, den Tag neu zu starten. So klingt das wahrscheinlich ziemlich albern und nach prollmäßiger Action, doch genau das ist der Film noch am wenigsten. Viel mehr wird aus der Idee des Wiederholens ein gelungener und intelligenter Twist. Und Tom Cruise vermittelt sehr gekonnt, wie man sich in dieser Situation verhalten würde. Wie erklärt man anderen, dass man diesen Tag bereits gelebt hat? Wie erlangt man zum hundertsten Mal das Vertrauen einer Person, die man in- und auswendig kennt? Und nebenbei versucht man den aussichtslosen Kampf gegen die Aliens zu gewinnen, indem man jedem erlebten Tod aus dem Weg geht, nur um ein paar Schritte weiter zu kommen.

Eigentlich ist Edge of Tomorrow der beste Film über Computerspiele, ohne über jene zu handeln und ohne eines zu sein. Basieren tut das Ganze auf dem Buch All You Need Is Kill von Hiroshi Sakurazaka und verfilmt wurde es von Bourne-Regisseur Doug Liman. Ich denke, wer Source Code, Matrix oder Mission Impossible mag, wird auch hier seinen Spaß haben.

Und weil es nicht mehr in den obigen Textflow gepasst hat: Emily Blunt ist wunderbar als Kriegsheldin und Full Metal B*tch.

Chef’s Table

Omnomnom! Schon wieder das Thema Essen. Diesmal isst aber das Auge mit. In der Doku-Serie Chef’s Table geht es um das Leben und Essen von Meisterköchen. In jeder Folge wird ein internationaler Koch in Szene gesetzt. Und wenn ich „in Szene gesetzt“ sage, dann meine ich in Szene gesetzt! Rauchschwaden ziehen in Zeitlupe durch die Küche, Nahrungsmittel werden in hochauflösenden Nahaufnahmen zur Kunst erklärt und die Köche als Götter dargestellt. Wenn man eine Folge beliebig pausiert, erhält man in aller Regel ein Bild, das man einrahmen und aufhängen könnte.

Inhaltlich passiert gar nicht so nicht viel. Chef’s Table zeigt in eindrucksvollen Bildern Weltklasse-Restaurants und präsentiert die obsessiven und kreativen Köpfe dahinter. Mit am spannendsten ist die Vielfalt an Orten und Charakteren. Weltweit schaut man den unterschiedlichsten Menschen dabei zu, wie sie ihr Handwerk perfektionieren. Und dabei hat jeder Koch irgendeine andere (Superhelden-)Fähigkeit und jeder hat einen anderen Lebensweg beschritten. Leider sind es vor allem weiße Männer, denen wir beim Kochen und Philosophieren zugucken, aber das ist wohl auch die Realität hinter den Herden der kulinarischen Oberklasse.

Foodporn mit klassischer Musik

Auf Chef’s Table trifft der Ausdruck „style over substance“ voll und ganz zu. Aber wie ich in der Vergangenheit schon des Öfteren hab anmerken lassen, bin ich ein großer Freund von visueller Pracht. Chef’s Table erinnert mich immer wieder an Indie Game The Movie, eine weitere Dokumentation über Macher und ihr Werk. Auch dort vermitteln die Bilder in Kombination mit der Musik von Jim Guthrie eine gewisse Ruhe, die mich sehr entspannt. Und dieses Gefühl habe ich auch, wenn ich Chef’s Table sehe und ich mich der klassischen Musik hingebe, die das Spektakel untermalt und neben den Speisen so viel Raum einnimmt wie die starken Bilder.

Der Mann hinter dieser Serie ist David Gelb, dessen Vater (oh welch Zufall) irgendwas mit klassischer Musik macht. Chef’s Table zählt als Nachfolger von Gelb’s Erstlingswerk Jiro und das beste Sushi der Welt, wo es um die Sushi-Legende Jiro Ono geht. Weil ich Japan mag, werde ich mir den Film auch mal ansehen. Doch vorher gucke ich die zweite Staffel von Chef’s Table auf Netflix und ihr solltet mindestens die erste Staffel gesehen haben. Da sind einige gute Folgen dabei (und es sind nur sechs).

Wo isst man lecker in Hamburg?

Wenn ich Besuch von außerhalb in Hamburg empfange, dann schlendern wir durch die schönste Stadt und schlemmen in den leckersten Lokalen. Für mich gibt es in Sachen Essgelegenheiten und Restaurants ein paar Klassiker, wo ich immer wieder gerne Gäste hinführe. Aber es gibt auch die eine oder andere Neuentdeckung, die einen zweiten Bissen wert ist. Ob neu oder alt, ist mir egal. Hauptsache lecker.

Butter bei die Fische! Wo isst man lecker in Hamburg? Unter anderem hier (wenn ihr auch so sehr auf Burger steht):

Street Food Session

Auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli versammeln sich jeden Donnerstag die Food Trucks und kämpfen um die Gaumen der Besucher. Da ist ein Angebot leckerer als das nächste.

Fischbrötchen am Hafen

Ich gebe zu, das ist etwas ungenau, aber dafür umso wichtiger für Hamburg. Denn ein Fischbrötchen schmeckt nur am Hamburger Hafen so richtig nach Fischbrötchen.

Peter Pane

Früher Hans im Glück, heute Peter Pane. Das Angebot ist nahezu identisch und man kann davon ausgehen, immer noch beste Burger auf den Teller zu kriegen.

The Bird

Berühmt und berüchtigt. Gerne zu voll, wenn man abends vom Hafen hingehen will. Bei The Bird kann man fettige Burger erwarten, die einfach schmecken und sich treu sind (was auch immer das heißt, aber es klingt gut).

Omas Apotheke

Deutsche Küche plus. Hier findet man neben Schnitzel, Pasta und Pizza tolle Mittagsangebote im urigen Ambiente.

Burger Kultour

Gerade noch ein Food Truck und schon ein Restaurant. Ein weiteres Burger-Lokal, das überzeugt.

Jim Burrito’s

Im Hintergrund läuft Metalmusik, an den Wänden hängen Lucha-Libre-Fotos und auf den Teller kommen mexikanische Spezialitäten. Nirgendswo esse ich so gerne vegan. Alle Gerichte mit Seitan schmecken spitze.

Slim Jim’s

Pizza wie in Little Italy. Slim Jim’s ist ein kleines Lokal, wo man seine Pizzen komplett frei belegen lässt.

Otto’s Burger

Bester Burger. Punkt.

Was habe ich vergessen? Was könnt ihr empfehlen?