Westworld S01 (2016)

Wie weit sind wir von Robotern entfernt, wenn sie auch nur aus Fleisch und Blut bestehen? Liebe, Hass und alles dazwischen empfinden? Wenn sie sich schmerzlichst an Vergangenes erinnern und ums Überleben kämpfen? Uns unterscheidet nur noch die Art und Weise, wie unser Gehirn funktioniert, und die Möglichkeit, dass wir die Roboter wie mit einer Fernbedienung ausschalten können.

Solche und weitere Gedanken mache ich mir, wenn ich Westworld schaue.

Westworld spielt in einer Zukunft, in der Menschen viel Geld dafür zahlen, um in einem Freizeitpark, der dem Wilden Westen nachempfunden ist, die Sau rauszulassen. Freizeitpark trifft es aber nicht ganz. Nennen wir es lieber eine Kopie oder Simulation des Wilden Westens, die bewohnt wird von menschengleichen Robotern. Diese „Hosts“ werden tagein tagaus von den Besuchern – den „Newcomern“ – erschossen, geschlagen und sexuell misshandelt. Westworld ist eine Spielweise für unsere innersten Bedürfnisse, die im Alltag keinen Platz finden. Ein Videospiel zum Anfassen, ein Porno zum Mitfühlen.

Aus dieser kruden Zukunftsfantasie entspinnen sich zahlreiche Erzählstränge über Gäste, Roboter und die Erschaffer der Westworld. Die Darsteller dahinter können sich wirklich sehen lassen. Vor allem Sir Anthony Hopkins, Evan Rachel Wood und Jeffrey Wright haben es mir angetan. Daneben zog mich die Serie vor allem an, weil sie als das „neue Game of Thrones“ gehandelt wurde. Und so hoch meine Erwartungen auch waren, sie waren bei Weiten nicht so hoch, wie sie hätten sein können. Die erste Folge hat mich wirklich positiv überrascht, weil mir vorab gar nicht bewusst war, worum es genau ging und wie sich die Serie anfühlt. Ich hatte also einen mehr als positiven Start und mit dieser Energie konnte ich auch die restliche Serie unbesorgt weitergucken. Viele bemängeln, dass Westworld mit der Zeit nachlässt. Ja, das tut es, aber sehr dezent. Die einen wird es mehr stören als andere. Mich störte es nicht, weil ich die richtige Erwartungshaltung hatte. Andere werden durch zu hohe oder falsche Erwartungen schnell enttäuscht werden können. Es ist immerhin eine sehr komplexe Geschichte irgendwo zwischen Science-Fiction und Western.

Das ganze basiert auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1973. Für die Serie Westworld sind Filmemacher wie Jonathan Nolan und J.J. Abrams verantwortlich. Beide sind dafür bekannt, Mysterien eine besonders große Rolle zu geben. Und das merkt man in Westworld in jeder Episode. Das mag Fans von Lost oder Prestige begeistern, aber andere werden sich schnell vergrault fühlen. Ich für meinen Teil war mit dem Ende der ersten Staffel zufrieden. Es war kein großer Knaller, aber ein würdiger Abschluss eines ersten Kapitels. Ob und wie eine zweite Staffel an die Geschichte und den Erfolg anknüpfen kann, werden wir erst 2018 sehen.

Fantastic Beasts and Where to Find Them (2016)

Ich habe noch immer nicht alle Bände von Harry Potter gelesen. Und die Filme entführten mich nur zu Beginn in eine atemberaubende Welt. Doch diese waren voller Fantasie und mit einem grandiosen Score von John Williams. Jetzt hat sich also J.K. Rowling an das schreiben neuer Drehbücher gewagt und ihren fiktiven Zoologen und Autoren Newt Scamander auf die Kinos losgelassen. Dort habe ich nicht zuletzt wegen der schieren Vorfreude von Anni Platz gefunden.

Phantastische Tierwesen (wie das Ganze im Deutschen heißt) spielt im New York der 20er-Jahre und tobt sich in dem Szenario visuell prächtig aus. Newt kommt aus England für einen privaten Auftrag in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Er ist aber nicht allein. In seinem stilechten Koffer verbergen sich zahllose magische Kreaturen, die bald ihren turbulenten und aberwitzigen Weg in die Freiheit finden. Und so lockerflockig die Geschichte erzählt wird, handelt es sich im Hintergrund um eine äußerst düstere Epoche. Der Überlord der dunklen Magie und heimlicher Lover von Dumbledore himself sorgt für Unheil in der magischen Community. Ebendieser Gellert Grindelwald wird wohl auch noch für vier weitere Filme mächtig mit dem Zauberstab schwingen und mehr in den Vordergrund treten. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Denn wo Harry Potter mit seinem Schulsetting sehr vorsichtig und zahm mit Magie umging, geht es in diesen Filmen ordentlich zur Sache. Vergesst Lumus und Alohomora. Hier wird wild um sich geschossen und sich so oft teleportiert, dass Captain Kirk und Spock neidisch werden.

Tierliebhaber und Harry Potter Fans sollten diesen Film sehen. Er sieht großartig aus und besticht durch einen wirklich guten Cast (über Johnny Depp müssen wir ein andermal reden). Der Film macht aber wenig neu und ist vor allem ein unterhaltsamer Neustart für diese Filmreihe. Wie viel Tiefe die Geschichte noch gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Nur so viel weiß ich schon: ein junger Dumbledore wird uns das nächste Mal begegnen und Paris soll eine wesentliche Rolle spielen. Die goldenen Zwanziger können kommen!

🔗 Neoliberalism – the ideology at the root of all our problems

George Monbiot kritisiert Neoliberalismus – ausführlich und spannend

The freedom that neoliberalism offers, which sounds so beguiling when expressed in general terms, turns out to mean freedom for the pike, not for the minnows.

Freedom from trade unions and collective bargaining means the freedom to suppress wages. Freedom from regulation means the freedom to poison rivers, endanger workers, charge iniquitous rates of interest and design exotic financial instruments. Freedom from tax means freedom from the distribution of wealth that lifts people out of poverty.

Dieser Artikel aus The Guardian hat nicht direkt mit der gestrigen Wahl zu tun und ist trotzdem das Interessanteste, was ich dazu gelesen hatte. Es geht um den Aufstieg des Neoliberalismus, die Fehler und die fehlenden Alternativen.

Doctor Strange (2016)

Von zehn Filmen, die ich im Kino sehe, sind neun von Disney. Meistens steht das nicht auf dem Plakat, aber seit Pixar, Marvel und Lucasfilm zu Disney gehören, komme ich nicht mehr um den Mickey-Mouse-Konzern herum. Disney – das Nestlé der Unterhaltungsindustrie. So kam ich auch wieder in den Genuss des köstlichen Einheitsbreis, den Marvel Jahr für Jahr mit wenig geänderter Rezeptur kocht. Diesmal schmeckte die Heldenfertigsoße nach mehr Mystik und nannte sich Doctor Strange.

Benedict Cumberbatch spielt den selbstverliebten Neurochirurgen, der sich nach einem Autounfall in die heilenden Höhen des Himalaya begibt und in die magischen Hände von Tilda Swinton. Nach kürzester Zeit wird aus dem Skeptiker ein vorbildlicher Manipulator von Zeit und Raum. Außerdem spielt Mads Mikkelsen mit, aber er spielt als Antagonist eigentlich keine Rolle. Und so schnell der Film vorbei ist, so hastig wurde ein neuer Charakter aus den Comics in das Marvel Cinematic Universe (MCU) gehievt.

Stephen Stranges Werdegang hat zwar Ähnlichkeiten mit Tony Starks Egomanie, aber trotzdem finde ich, dass Strange den folgenden Filmen gut tun wird. Wir bewegen uns weg von der technophilen Welt rund um Iron Man und Captain America hin zu mehr mystischen Inhalten und Visionen. Und so neu sich das alles anfühlt und so spektakulär Doctor Strange aussieht mit all seinen Funken sprühenden Zaubern, so alt ist die Struktur dahinter. Zum Glück hat Marvel vorerst keine weiteren Filme geplant, wo neue Figuren so eingeführt werden. Beim neuen Spider-Man: Homecoming sollte also alles sehr viel flotter und interessanter vonstatten gehen.

Trotz der unterschwelligen Kritik war ich als Fanboy wieder einmal begeistert. Doctor Strange unterhält und entführt den Zuschauer in eine surreale Wirklichkeit, die ich zuletzt von Harry Potter gewohnt war. Das letzte Gefecht ist intelligent gelöst und macht Hoffnung auf ein wenig mehr Abwechslung, nachdem so viel so ähnlich ist in allen Filmen aus den Marvel Studios. Allen Logikfans sei noch ans Herz gelegt: sucht nicht nach den Systemfehlern und Logiklöchern in einem überdimensionalen Film-Franchise. Lehnt euch zurück und genießt den unterhaltsamen Groschenroman.

Designer aufgepasst: Affinity statt Adobe

Ich benutze bereits seit einigen Jahren Affinity Designer und Photo als Ersatz für die äquivalenten Produkte von Adobe. Ich liebe diese Tools und benutze sie tagtäglich. Zu gerne würde ich sie auf mehr PCs und Macs wiederfinden. Bislang fehlte mir aber das letzte Totschlagargument, um sie vorbehaltlos weiterempfehlen zu können. Ich wartete sehnsüchtig auf die Veröffentlichung von Affinity Publisher, um das Produkt-Triumvirat als ernstzunehmende Creative-Suite an Designerinnen und Designer weiterzuempfehlen. Doch bevor das geschah, hat Affinity begonnen die Programme für Windows zu veröffentlichen. Und dann entdeckte ich erst jetzt dieses Video, welches eindrucksvoll zeigt, dass Affinity Designer nun auch noch für UI-Zwecke optimiert wurde. Was für viele ein eigenes UI-Programm wert ist, ist nun Bestandteil des Hauptprogramms von Affinity und es sieht fantastisch aus.

Kurzum: Affinity gibt es jetzt auch für Windows und es wächst zu einem mächtigen Design-Tool heran, welches in Teilen besser als Photoshop ist und weitaus günstiger (ca. 50 €).

Bereits vor zwei Jahren machte ich mir Gedanken zu Affinity. Seitdem hat sich viel verändert. Nur meine Meinung nicht. Hier der Beitrag:

Affinity Photo – Professional image editing software for Mac

Zwei Star Wars Trailer zum Preis von einem

Ein neuer Trailer zu Rogue One ist erschienen und er ist wieder vollgepackt mit Bildern, die man sich direkt tätowieren … oder an die Wand airbrushen … oder einfach screenshoten und in einem Atelier ausstellen möchte. Rogue One wird visuell ein genauso großes Spektakel werden wie es bereits The Force Awakens war. Und wenn dieses Spektakel dann auch noch von bunten Menschen aller Geschlechter und Rassen belebt wird, bleibt Star Wars seiner modernen Ausrichtung treu, die mir sehr zusagt.

Außerdem ist ein Cinematic Trailer erschienen für das Online-Spiel Star Wars: The Old Republic. Der Trailer kündigt eine neue Erweiterung an, die die Story um das Ewige Imperium vertieft. Mich lässt das Gefühl nicht los, dass dieser aufwändige Filmschnipsel nicht nur besser als das eigentlich Spiel ist, sondern auch eine epische Vorlage für einen Film bietet.

Direkt-Links zu den Trailern:

🔗 99 Prozent der Deutschen überschätzen die weltweite Armut

Oxfam-Umfrage: Deutsche überschätzen Armut

Dass die Zahl der Menschen in extremer Armut in den vergangenen 20 Jahren weltweit um die Hälfte verringert werden konnte, wissen nur 0,5 Prozent der Deutschen. 92 Prozent der Deutschen gehen vielmehr fälschlicherweise davon aus, dass die Armut gleich geblieben oder angestiegen ist.

Armut ist und bleibt ein Problem, aber man sollte optimistisch in die Zukunft blicken.

🔗 Schweden macht’s vor: Günstige Reparaturen

Sweden Wants To Fight Our Disposable Culture With Tax Breaks For Repairing Old Stuff

„If we want to solve the problems of sustainability and the environment we have to work on consumption,“ Sweden’s finance and consumption minister Per Bolund told The Local. „One area we are really looking at is so-called ‘nudging.’ That means, through various methods, making it easier for people to do the right thing.“ Nudging might involve clearer signage to reach the recycling station, for example.

So sollte man mehr Probleme lösen. Den freien Markt so richten, dass Nachhaltigkeit siegt.

This Is Where I Leave You (2014)

Bei Netflix gefunden und für sehenswert befunden: This Is Where I Leave You (oder zu deutsch Sieben verdammt lange Tage) ist einer dieser Filme, den man an einem melancholischen Sonntagnachmittag guckt. Viele tolle Schauspieler, die wir vor allem aus bekannten Nebenrollen kennen, spielen hier eine jüdische Familie.

Nach dem Tod des Vaters ruft die Mutter alle Kinder zum jüdischen Trauerbrauch Schiv’a zusammen, um sieben Tage lang im Kreise der Famile um ihren Vater zu trauern. Die Kinder sind allesamt erwachsen und stehen mitten im Leben. Sie haben sich seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen, aber alle verbindet ein kaputtes Liebesleben. Und primär um diese Verbindung dreht sich die Geschichte. Der eine (Jason Bateman) erwischt seine Freundin beim Fremdgehen mit dem Chef, der Jüngste (Adam Driver) lebt von und mit einer wohlhabenden Psychologin/MILF, der Älteste (Corey Stoll) versucht verzweifelt, ein Baby zu zeugen (und ist mit der Ex des Ersten Bruders verheiratet) und die Schwester (Tina Fey) ist noch immer in den Nachbarsjungen verliebt, während sie Mutter zweier Kinder ist.

Am Ende ist This Is Where I Leave You ein großes Kammerspiel, wo Dialoge und Gefühle den Film tragen. Die schauspielerischen Leistungen schwanken zwischen furchtbar und furchtbar gut und visuell hat der Film nicht mehr als einen grauen Schlauer vor der Linse zu bieten. Dennoch kann ich eine Empfehlung aussprechen für Freunde von leichter Independent-Unterhaltung.Wer bereits meinen letzten Tipp The Fundamentals of Caring mochte, kann auch hier wieder getrost reinschauen.

Montag morgens im Heide Park

Was tut man als halbtags arbeitender Designer und Taugenichts? Man nimmt sich einen Tag frei und geht zur besten Zeit in einen Freizeitpark. Nämlich dann, wenn Familien (oder sonstige Gruppierungen von Menschen mit Alltag) keine Zeit für Spaß haben. Montags. Die einen arbeiten und andere nüchtern vom Wochenende aus. Außerdem ist das Wetter nach vielen Tagen Sonnenschein erstmals herbstlich kalt und der Himmel grau bedeckt, so dass niemand einen Ausflug planen würde. Niemand? Weit gefehlt. Eine kleine Gruppe wachsamer und (halb-)arbeitsloser Menschen erfüllte sich diesen Montag einen Traum.

Anni und ich waren also im Heide Park Soltau und all unsere Erwartungen wurden übertroffen. Der Park war leer. Nicht „leerer als am Wochenende“, sondern wirklich leer. Es waren nur wenige Dutzend Menschen vor Ort und die Schlangen waren kurz bis nicht vorhanden. Man konnte ohne eine Sekunde Wartezeit ins Wildwasserrafting und das Riesenrad wurde für nur einen einzigen Fahrgast gestartet. Es war ein Kindheitstraum, der an diesem Montag wahr wurde. Die endlosen Weiten eines künstlichen Paradieses standen uns ohne Schubsen, Drängeln und Nörgeln offen. Spätestens als wir am Mittag mit Enten am Teich saßen, Piraten-Pitas aßen und die Sonne über uns hereinbrach, wussten wir, dass wir an diesem Montag alles richtig gemacht hatten.

Update: Anni hat auf ihrem Blog Bilder und ein Video aus dem Heide Park gepostet.