This Is Where I Leave You (2014)

Bei Netflix gefunden und für sehenswert befunden: This Is Where I Leave You (oder zu deutsch Sieben verdammt lange Tage) ist einer dieser Filme, den man an einem melancholischen Sonntagnachmittag guckt. Viele tolle Schauspieler, die wir vor allem aus bekannten Nebenrollen kennen, spielen hier eine jüdische Familie.

Nach dem Tod des Vaters ruft die Mutter alle Kinder zum jüdischen Trauerbrauch Schiv’a zusammen, um sieben Tage lang im Kreise der Famile um ihren Vater zu trauern. Die Kinder sind allesamt erwachsen und stehen mitten im Leben. Sie haben sich seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen, aber alle verbindet ein kaputtes Liebesleben. Und primär um diese Verbindung dreht sich die Geschichte. Der eine (Jason Bateman) erwischt seine Freundin beim Fremdgehen mit dem Chef, der Jüngste (Adam Driver) lebt von und mit einer wohlhabenden Psychologin/MILF, der Älteste (Corey Stoll) versucht verzweifelt, ein Baby zu zeugen (und ist mit der Ex des Ersten Bruders verheiratet) und die Schwester (Tina Fey) ist noch immer in den Nachbarsjungen verliebt, während sie Mutter zweier Kinder ist.

Am Ende ist This Is Where I Leave You ein großes Kammerspiel, wo Dialoge und Gefühle den Film tragen. Die schauspielerischen Leistungen schwanken zwischen furchtbar und furchtbar gut und visuell hat der Film nicht mehr als einen grauen Schlauer vor der Linse zu bieten. Dennoch kann ich eine Empfehlung aussprechen für Freunde von leichter Independent-Unterhaltung.Wer bereits meinen letzten Tipp The Fundamentals of Caring mochte, kann auch hier wieder getrost reinschauen.

Montag morgens im Heide Park

Was tut man als halbtags arbeitender Designer und Taugenichts? Man nimmt sich einen Tag frei und geht zur besten Zeit in einen Freizeitpark. Nämlich dann, wenn Familien (oder sonstige Gruppierungen von Menschen mit Alltag) keine Zeit für Spaß haben. Montags. Die einen arbeiten und andere nüchtern vom Wochenende aus. Außerdem ist das Wetter nach vielen Tagen Sonnenschein erstmals herbstlich kalt und der Himmel grau bedeckt, so dass niemand einen Ausflug planen würde. Niemand? Weit gefehlt. Eine kleine Gruppe wachsamer und (halb-)arbeitsloser Menschen erfüllte sich diesen Montag einen Traum.

Anni und ich waren also im Heide Park Soltau und all unsere Erwartungen wurden übertroffen. Der Park war leer. Nicht „leerer als am Wochenende“, sondern wirklich leer. Es waren nur wenige Dutzend Menschen vor Ort und die Schlangen waren kurz bis nicht vorhanden. Man konnte ohne eine Sekunde Wartezeit ins Wildwasserrafting und das Riesenrad wurde für nur einen einzigen Fahrgast gestartet. Es war ein Kindheitstraum, der an diesem Montag wahr wurde. Die endlosen Weiten eines künstlichen Paradieses standen uns ohne Schubsen, Drängeln und Nörgeln offen. Spätestens als wir am Mittag mit Enten am Teich saßen, Piraten-Pitas aßen und die Sonne über uns hereinbrach, wussten wir, dass wir an diesem Montag alles richtig gemacht hatten.

Update: Anni hat auf ihrem Blog Bilder und ein Video aus dem Heide Park gepostet.

Hamburg, Berlin, Freunde und zurück für 30 Euro

Als Hamburger vermisst man eigentlich nichts, was Berlin einem bieten würde. Es gibt da nur eine Sache, die man am ehesten in Berlin wiederfindet: Berliner bzw. bestimmte gute Freunde. Also machten Anni und ich uns am Mittwoch auf den Weg nach Berlin. Wir planten einen Tagesausflug, der spontan und günstig sein sollte. Und das ist gar nicht so schwierig, da man heutzutage zwischen Mitfahrgelegenheiten, Fernbussen und Zügen nach eigenem Gusto wählen kann. „Hamburg, Berlin, Freunde und zurück für 30 Euro“ weiterlesen

STOP THAT SHIT: Key-Reseller sind Betrüger

Wem G2A, G2play und Kinguin ein Begriff sind, horcht her. Key-Reseller sind eine einzig große Geldwäsche für Kreditkartenbetrüger. Wer also auf G2A und Konsorten ein Spiel zum Schnäppchenpreis ergattert, finanziert damit vorrangig Verbrecher. Vor allem kleine Entwickler leiden an den Rückzahlungen durch Kreditkartenunternehmen und dem zusätzlichen Aufwand.

Natürlich habe ich früher auch schon selbst ein paar Games darüber gekauft. Es fühlt sich halt legal an. Man bezahlt und lädt dann ein Spiel auf den bewährten Plattformen wie Steam und Origin herunter. Woher die günstigen Schlüssel kommen? Natürlich von supernetten Menschen, die zufällig 100 Keys zu viel beim Humble Bundle gekauft haben. Oder die Keys sind vom LKW gefallen. Na klar.

Und mir ist natürlich klar, dass Teile des Markts wirklich legal sind, und dass man so einen Markt vielleicht sogar braucht, wenn alles nur noch digital ist. Das Problem ist aber, dass das Weiterverkaufen von Keys in seiner jetzigen Form zu kriminell ist, um es mit gutem Gewissen zu unterstützen.

Wenn euch das jetzt nicht genug Infos waren oder ihr grundsätzlich anderer Meinung seid, kann ich euch noch folgende Artikel und Berichte ans Herz legen:

G2A, Piracy, and the Four Currencies:

When you buy a key on G2A, a lot of the time you’re buying a Steam Key somebody bought with a stolen credit card. When the cardholder inevitably finds out, they issue a chargeback and the credit card company refunds them, taking the money from the store (plus a fee), and giving it to the fraud victim. This means the store (or developer if they’re selling direct) made negative money on the sale of that key, […].

G2A sold $450k worth of our game keys:

The problem is that this business model is fundamentally flawed and facilitates a black market economy. I’ve spoken to a merchant on G2A about how he’s making $3-4k a month, and he outlined the core business model:

  • Get ahold of a database of stolen credit cards on the darkweb
  • Go to a bundle/3rd party key reseller and buy a ton of game keys
  • Put them up onto G2A and sell them at half the retail price

IndieGameStand has had $30,759.42 in fraudulent credit card charges and transactions:

This scam really pisses me off – mainly because these people aren’t stealing from large rich corporations but taking advantage of smaller companies and indie developers. For indie developers and sites like IndieGameStand, every purchase means a lot.

The Key Masters: Reselling and the Games Industry:

Fast2Play, Kinguin and G2Play are sites which are all owned by a company called 7 Entertainment. Fast2Play is a store where keys are sold to customers, whereas Kinguin is a “marketplace” which allows users to sell keys between themselves. G2A are a separate entity: their business also has both store and marketplace components.

All of these sites had listings for the game but were unable to supply any proof that they were genuine copies that we had authorised. We had never received a share of sales from any of them.

The Fundamentals of Caring (2016)

Wie kann es sein, dass man einen so schönen Filmtitel zu Deutsch als „Umweg nach Hause“ betitelt?! Und das bei einer Veröffentlichung durch Netflix, die sonst so gute Strategen sind … Naja, ich wende mich mal lieber dem Inhalt zu:

Paul Rudd (Ant-Man) spielt einen Pfleger, der sich von seiner Vergangenheit distanzieren möchte. Er wird von Craig Roberts (Submarine) konfrontiert, der zwar körperlich eingeschränkt ist, der es aber faustdick hinter den Ohren hat. Alles läuft schnell auf einen Indiefilm-mäßigen Roadtrip durch die USA hinaus, wie wir es bei Little Miss Sunshine oder Away We Go kennen und lieben gelernt haben. Das wirkte auf mich erstmal ziemlich holprig und lieblos, aber die Dialoge, die folgen, machten alles wett.

The Fundamentals of Caring ist ein Film über Familie und Beziehungen, der allein von den Gesprächen der Charaktere lebt. Vor allem von denen zwischen Paul Rudd und Craig Roberts, die sich zynisch, aber liebenswert übereinander lustig machen. Das Alles basiert auf einem Buch, von dem ich keine Ahnung habe. Außerdem spielt Selena Gomez mit. Das war erst seltsam, aber sie macht ihre Sache gut.

Wer also noch nicht genug Indiefilme gesehen hat und sich für zwei tolle Schauspieler begeistern will, euch sei The Fundamentals of Caring wärmstens ans Herz gelegt. Aloha.

Stranger Things (2016)

Das Internet sprach: Stranger Things ist gut. Und es ward gut. So oder so ähnlich lässt sich meine Offenbarung zusammenfassen. Stranger Things wurde von Netflix auf allen Kanälen beworben und das Internet drehte bereits zum Erscheinen durch. Ich klickte seelenruhig die Werbung weg und ignorierte den Hype weitestgehend. Irgendwann kam ich aber nicht mehr umhin. Ich schaute die erste von acht Episoden. Und es ward Licht.

Stranger Things ist eine Mystery-Serie, die in den 80er-Jahren in einer amerikanischen Kleinstadt spielt. Sie fühlt sich wie ein verschollener Film an, der wieder ausgegraben wurde. Und für mich war das eine Offenbarung, weil ich als Kind der 90er nie guten Zugang zu den Perlen der 80er fand. Mit Stranger Things erlebte ich gleich drei Interpretationen dieser Zeit. In verschiedenen Interviews offenbarten die Macher der Serie, dass es drei große Einflüsse gab. Die Kinder in Stranger Things sind in einem Steven Spielberg Abenteuer, die Teenager in einem John Carpenter Horrorfilm und die Erwachsen durchleben einen Stephen King Roman. Dass diese Geschichten ineinandergreifen und funktionieren, ist eigentlich ein Wunder. Überhaupt ist die Charakterentwicklung bei so vielen Hauptfiguren überraschend gut gelungen. Von der schauspielerischen Leistung ganz zu schweigen. Das gesamte Ensemble spielt überragend.

Nachdem ich mehrere Kritiken las und Podcasts hörte, muss ich zugeben, dass ich Stranger Things wesentlich mehr abgewinnen konnte, als die meisten, die sowieso schon mit den Goonies, E.T. und Poltergeist aufgewachsen sind. Ich hatte sehr viel Spaß, weil es spannend erzählt und trotzdem optimistisch war. Das ist heutzutage nicht mehr der Normalfall, wenn man Serien der Sorte Game of Thrones, True Detective, House of Cards oder Breaking Bad gewohnt ist, wo jeder ein Antiheld und alles irgendwie Scheiße ist. Da war ich einfach mal froh, zu wissen, worauf es hinausläuft, und dass ich ganz naiv mitfiebern konnte. Ohne es mit den vorangegangenen Serien vergleichen zu wollen, war Stranger Things für mich eins der besten Serienerlebnisse der letzten Jahre.

Rogue One Trailer

Nach dem fulminanten Teaser ist hier nun der Trailer zu Rogue One: A Star Wars Story, der nur so vor tollen Bildern strotzt. Gleiter, Schiffe, Sternenzerstörer und natürlich der Todesstern schwirren in, um und über Planeten und sehen dabei mächtig mächtig aus. So gefällt mir das. Star Wars war schon immer eine sehr visuelle Filmreihe. Und ich finde es gut und richtig, dass auch die Ableger, die keine Epsioden sind und damit nicht zur Saga gehören, diese Stärke fortführen.

Und ich habe auf jeden Fall Lust auf die neuen Charaktere. Die sehen verdammt bad-ass aus. Und so müssen die auch sein, um gegen Darth Vader bestehen zu können.

Pokémon GO

Am 27. Februar 1996 – an meinem fünften Geburtstag – erschien Pokémon in Japan. Ich war achteinhalb, als ich im Oktober 1999 die Blaue Edition auf einem Flohmarkt in Borken von meinen Eltern erbettelte. Pokémon war damals weitesgehend unbekannt in Deutschland. Die Serie lief erst seit Kurzem auf RTL 2 und diese Werbung hat (hoffentlich) nicht wirklich zum Erfolg beigetragen.

Wo ich heutzutage stundenlang Reviews und Videos zu den neuesten Spielen studiere, zog mich Pokémon einfach so in seinen Bann. Das blaue Case war meine Trophäe und mein Game Boy Pocket der treue Wegbegleiter. Wir präsentierten unsere Pokémon auf dem Schulhof und trafen uns zum Kämpfen und Tauschen. Mit der zweiten Generation und den Editionen Silber und Kristall endete mein intensives Erlebnis. Fortan schaute ich nur noch der jüngeren Generation über die Schulter, wie sie mit neuen Pokémon spielten. Ich hätte auch gerne einen Game Boy Advance oder später den Nintendo DS gehabt, aber auch nur wegen Pokémon.

Wie man sieht, ist meine Pokémon-Nostalgie durchaus berechtigt. Zumal ich die Serie um Ash Ketchum auch oft genug gesehen habe. Die Titelmelodie („Ich will der Allerbeste sein …“) summe ich regelmäßig im Alltag. Den ersten Kinofilm sah ich mindestens als VHS-Kassette und den zweiten Film im Kino.

Ich wähle dich, Smartphone!

Mehr als ein Jahrzehnt später: Pokémon GO wurde angekündigt. Der Trailer faszinierte mich und ich wünschte mir sehr, dass die Inszenierung auch nur annähernd das Spielgefühl repräsentieren würde. Pokémon war schon immer ein sehr mobiles und soziales Spiel. Eine Umsetzung für moderne Smartphones machte also absolut Sinn, aber mit 25 Jahren wurde mein Gamer-Herz schon das eine oder andere Mal gebrochen. Versprechen werden in dieser Branche selten gehalten. Gute Spiele werden nicht versprochen, sondern kommen unerwartet aus dem Nichts. So wie Pokémon es einst vorgemacht hat.

Als es schließlich offiziell in Deutschland erschien, war ich hin und weg. Im wahrsten Sinne. Denn ich fuhr gerade in den Urlaub. Und besser konnte eine Pokémontrainerkarriere nicht starten. Wie Ash zog ich aus Alabastia raus in die Welt, um ein Pokémonmeister zu werden. Jeder Fund wurde zelebriert und jedes schlüpfende Ei brachte Wunder und Spannung. Das Spiel war trotz aller technischen Fehler ein Volltreffer. Als Pokémonfan der ersten Stunde, wurde ich perfekt abgeholt.

Normalerweise bin ich allein mit meiner Faszination für solche Phänomene, doch alle um mich herum spielten Pokémon GO. Egal ob 10 Jahre jünger oder 20 Jahre älter. Meine Freunde kauften sich Powerbanks, die sie zuvor nie brauchten. Neue Smartphones wurden bestellt, um mitspielen zu können. Technikmuffel wollten auf einmal die neuesten Gadgets und Bewegungsmuffel wollten ihre 10km-Eier schlüpfen sehen. In meiner näheren Umgebung brach ein Wahn aus, den ich für ein Videospiel niemals für möglich hielt. Die Nerds hatten endgültig die Weltherrschaft an sich gerissen.

Relaxo versperrt den Weg

Nach mehreren Wochen, hatte ich ein paar verrückte Erlebnisse. Nachts um 1 Uhr war ich mit einem Freund in Freiburg unterwegs und wir fanden uns irgendwann zwischen 30 anderen Spielern wieder. Lockmodule wurden aktiviert, Pokémon-Namen ausgerufen, Werte kontrolliert und von irgendwo her plärrte die Titelmelodie („Ich will der Allerbeste sein …“). Ein paar Tage später im Hammer Park in Hamburg. Um 22 Uhr wanderten Hunderte Spieler wie Zombies durch die Parkanlage. Überall wurde gespielt und keiner komisch angeguckt. Plötzlich war Aufruhr und die ersten Spieler rannten aus dem Park. Ich überprüfte meinen Radar und entdeckte den Grund. Relaxo ist unweit des Parks erschienen. So einen Fund lässt man sich natürlich nicht entgehen und wir rannten hinter der ersten Gruppe her. Zwei Dutzend Spieler standen bereits auf der Straße vor einer Pizzeria und jubelten über den Fang des Tages. Als ich mein Exemplar gefangen hatte, kam eine Armada aus Hundert weiteren Menschen auf uns zugerannt. Eine Frau fragt mich neugierig, was hier los sei. Ich erklärte es ihr grob, sie fragte bloß, ob es was mit diesem „Pokémon“ zu tun hätte. Ich nickte. Sie nickte. Alles klar. Die Welt wusste Bescheid. Pokémon sind aus irgendeinem verrückten Grund in der Gesellschaft angekommen. Echter konnte kein Kindertraum werden.

Viel ist von diesem Traum nicht geblieben, aber diese ersten Tage waren intensiv und voller Abwechslung. Es waren Tage, an die man sich rückblickend erinnern wird, wie ich mich an die Blaue Edition zurückerinnere. Eine verrückte Zeit, die man nicht wiederholen oder nachempfinden kann. Die Welt stand für einen kurzen Moment Kopf und alle spielten oder sprachen über Pokémon. Ich würde gerne mehr und weiter mit diesem Spiel mitfiebern, aber die Entwickler von Niantic, so gut sie auch das Chaos überstanden haben, sind einfach keine guten Spieleentwickler. Sie sind langsam und unkommunikativ. Neue Features werden lange auf sich warten lassen und sie werden sich wenig bis gar nicht an der Community orientieren. Das haben mir die letzten Wochen gezeigt und die Erfahrungen, die andere Spieler mit dem Vorgängerspiel Ingress gemacht haben. Wenn es anders kommt, freue mich natürlich. Ansonsten bin ich gewappnet und habe eine tolle Erfahrung gemacht und diese mit anderen geteilt.

Und jetzt muss ich nochmal raus. Kilometer machen, Arenen bekämpfen und Taubsi fangen.