Game of Thrones S07 (2017)

Die siebte und vorletzte Staffel von Game of Thrones wurde mittlerweile mehrfach durchs Internet getrieben und bewertet. Die meisten fanden die Staffel episch und gut. Und viele andere störte ein großes Problem. Ein Problem, das auch mir die zweite Hälfte dieser Staffel vermieste: das Drehbuch. Die Schreiberlinge haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie es verstehen, gute Geschichten mit Intrigen und Verschwörungen zu schreiben, bewegen wir uns aber schnurstracks auf ein episches Finale zu, so entgeht ihnen plötzlich jegliche Vernunft und höhere Kreativität. Das mag vor allen Dingen an der mangelnden Federführung durch die Vorlage liegen. George R.R. Martin ist noch weit davon entfernt, einen ausformulierten Abschluss seiner Saga zu veröffentlichen. Anstelle von Intrigen tritt nun also die inszenierte Action und Geheimniskrämerei, wie wir sie von vielen Serien her kennen. Ein Glück, dass genug Geld und Können vorhanden ist, dass das immerhin fulminant und mit kinoreifen Effekten präsentiert werden kann.

Kurzum: Staffel 7 von Game of Thrones ist großes Kino mit all seinen Stärken und Schwächen. Sie ist so weit von Staffel 1 entfernt wie die Qualität zwischen Anfang und Ende dieser Staffel.

Ramin Djawadi über die Musik in Game of Thrones

Heute erscheint Game of Thrones in der siebten und vorletzten Staffel auf HBO. Ich bin heiß und kann es kaum erwarten, die erste Episode zu sehen … und zu hören, was Komponist Ramin Djawadi uns wieder kredenzt hat. Spätestens seit Light of the Seven halte ich große Stücke auf ihn. Mit diesem finalen Score der sechsten Staffel hat er sich für mich auf Hans Zimmer und Clint Mansell Niveau katapultiert. Um die Vorfreude zu steigern, können wir uns nochmal alle zurücklehnen, das verlinkte Video ansehen und dem Herrn Djawadi bei der Arbeit zuhören.

Inside Game of Thrones: A Story in Score direkt auf YouTube ansehen

Westworld S01 (2016)

Wie weit sind wir von Robotern entfernt, wenn sie auch nur aus Fleisch und Blut bestehen? Liebe, Hass und alles dazwischen empfinden? Wenn sie sich schmerzlichst an Vergangenes erinnern und ums Überleben kämpfen? Uns unterscheidet nur noch die Art und Weise, wie unser Gehirn funktioniert, und die Möglichkeit, dass wir die Roboter wie mit einer Fernbedienung ausschalten können.

Solche und weitere Gedanken mache ich mir, wenn ich Westworld schaue.

Westworld spielt in einer Zukunft, in der Menschen viel Geld dafür zahlen, um in einem Freizeitpark, der dem Wilden Westen nachempfunden ist, die Sau rauszulassen. Freizeitpark trifft es aber nicht ganz. Nennen wir es lieber eine Kopie oder Simulation des Wilden Westens, die bewohnt wird von menschengleichen Robotern. Diese „Hosts“ werden tagein tagaus von den Besuchern – den „Newcomern“ – erschossen, geschlagen und sexuell misshandelt. Westworld ist eine Spielweise für unsere innersten Bedürfnisse, die im Alltag keinen Platz finden. Ein Videospiel zum Anfassen, ein Porno zum Mitfühlen.

Aus dieser kruden Zukunftsfantasie entspinnen sich zahlreiche Erzählstränge über Gäste, Roboter und die Erschaffer der Westworld. Die Darsteller dahinter können sich wirklich sehen lassen. Vor allem Sir Anthony Hopkins, Evan Rachel Wood und Jeffrey Wright haben es mir angetan. Daneben zog mich die Serie vor allem an, weil sie als das „neue Game of Thrones“ gehandelt wurde. Und so hoch meine Erwartungen auch waren, sie waren bei Weiten nicht so hoch, wie sie hätten sein können. Die erste Folge hat mich wirklich positiv überrascht, weil mir vorab gar nicht bewusst war, worum es genau ging und wie sich die Serie anfühlt. Ich hatte also einen mehr als positiven Start und mit dieser Energie konnte ich auch die restliche Serie unbesorgt weitergucken. Viele bemängeln, dass Westworld mit der Zeit nachlässt. Ja, das tut es, aber sehr dezent. Die einen wird es mehr stören als andere. Mich störte es nicht, weil ich die richtige Erwartungshaltung hatte. Andere werden durch zu hohe oder falsche Erwartungen schnell enttäuscht werden können. Es ist immerhin eine sehr komplexe Geschichte irgendwo zwischen Science-Fiction und Western.

Das ganze basiert auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1973. Für die Serie Westworld sind Filmemacher wie Jonathan Nolan und J.J. Abrams verantwortlich. Beide sind dafür bekannt, Mysterien eine besonders große Rolle zu geben. Und das merkt man in Westworld in jeder Episode. Das mag Fans von Lost oder Prestige begeistern, aber andere werden sich schnell vergrault fühlen. Ich für meinen Teil war mit dem Ende der ersten Staffel zufrieden. Es war kein großer Knaller, aber ein würdiger Abschluss eines ersten Kapitels. Ob und wie eine zweite Staffel an die Geschichte und den Erfolg anknüpfen kann, werden wir erst 2018 sehen.

Stranger Things (2016)

Das Internet sprach: Stranger Things ist gut. Und es ward gut. So oder so ähnlich lässt sich meine Offenbarung zusammenfassen. Stranger Things wurde von Netflix auf allen Kanälen beworben und das Internet drehte bereits zum Erscheinen durch. Ich klickte seelenruhig die Werbung weg und ignorierte den Hype weitestgehend. Irgendwann kam ich aber nicht mehr umhin. Ich schaute die erste von acht Episoden. Und es ward Licht.

Stranger Things ist eine Mystery-Serie, die in den 80er-Jahren in einer amerikanischen Kleinstadt spielt. Sie fühlt sich wie ein verschollener Film an, der wieder ausgegraben wurde. Und für mich war das eine Offenbarung, weil ich als Kind der 90er nie guten Zugang zu den Perlen der 80er fand. Mit Stranger Things erlebte ich gleich drei Interpretationen dieser Zeit. In verschiedenen Interviews offenbarten die Macher der Serie, dass es drei große Einflüsse gab. Die Kinder in Stranger Things sind in einem Steven Spielberg Abenteuer, die Teenager in einem John Carpenter Horrorfilm und die Erwachsen durchleben einen Stephen King Roman. Dass diese Geschichten ineinandergreifen und funktionieren, ist eigentlich ein Wunder. Überhaupt ist die Charakterentwicklung bei so vielen Hauptfiguren überraschend gut gelungen. Von der schauspielerischen Leistung ganz zu schweigen. Das gesamte Ensemble spielt überragend.

Nachdem ich mehrere Kritiken las und Podcasts hörte, muss ich zugeben, dass ich Stranger Things wesentlich mehr abgewinnen konnte, als die meisten, die sowieso schon mit den Goonies, E.T. und Poltergeist aufgewachsen sind. Ich hatte sehr viel Spaß, weil es spannend erzählt und trotzdem optimistisch war. Das ist heutzutage nicht mehr der Normalfall, wenn man Serien der Sorte Game of Thrones, True Detective, House of Cards oder Breaking Bad gewohnt ist, wo jeder ein Antiheld und alles irgendwie Scheiße ist. Da war ich einfach mal froh, zu wissen, worauf es hinausläuft, und dass ich ganz naiv mitfiebern konnte. Ohne es mit den vorangegangenen Serien vergleichen zu wollen, war Stranger Things für mich eins der besten Serienerlebnisse der letzten Jahre.

Game of Thrones S06 (2016)

Es ist vorbei – fürs Erste. Game of Thrones hat sich spektakulär aus der sechsten Staffel verabschiedet. Hier folgen ein paar spoilerfreie Gedanken dazu.

Seit ich mich an Game of Thrones erinnern kann, ist es mehr als eine Serie. Es ist ein Ereignis. In Zeiten von Netflix und Binge-Watching muss man es einer Serie hoch anrechnen, dass ich auf jede einzelne neue Folge sehnsüchtig warte und sie so schnell wie möglich gucke, um nicht gespoilert zu werden und um mitreden zu können. Ich gehe ins Büro und frage als erstes, ob alle die neueste Folge gesehen haben, um das soziale Gefüge einschätzen zu können. Man will ja niemandem etwas vorwegnehmen bei einer Serie, wo regelmäßig ganze Familien ausgelöscht werden. Wenn dann alle Kollegen auf dem neuesten Stand sind, beginnt das Name-Dropping, die emotionale Beschreibung von Szenen und das Abgleichen von Meinungen und Stimmungsbildern. Ich liebe dieses Phänomen.

Die sechste Staffel von Game of Thrones hatte wieder ihre Schwächen, aber im Gegensatz zur fünften Staffel hatte sie deutlich mehr Stärken und einen geraden Kurs, den sie gefahren hat. Denn wir befinden uns im Endspurt. Es folgen nur noch zwei verkürzte Staffeln mit insgesamt 13 Episoden. Und es gibt noch viel zu erzählen, aber nicht mehr so viel, wie ich befürchtet hatte. Staffel 6 brachte viele Antworten und weniger Fragen. Die Charaktere bewegten sich wieder zueinander hin. Und während die ersten Staffeln subversiv die Helden zu opfern machten, handelt es sich immer mehr um eine klassische Heldengeschichte. Dennoch ist und bleibt es Game of Thrones und kein Schicksal ist gewiss. Ich bin noch immer sehr gespannt auf die Zukunft vieler tragender Figuren.

Ich habe zwar nur Teile der Bücher von George R.R. Martin gelesen, aber ich bewege mich gerne im Bereich der Spoiler und weiß mittlerweile, wie sehr sich die Serie von den Büchern unterscheidet. Die letzten beiden Werke fehlen noch, sodass die Serie die Bücher bereits überholt hat. Es ist bekannt, dass beide Versionen der Geschichte auf das gleiche Ende zusteuern, aber die Wege werden anscheinend drastisch anders erzählt werden, um das Beste aus beiden Erzählformen herauszuholen. Nach dieser Staffel freue ich mich umso mehr auf die ausführliche Variante von George R.R. Martin, weil doch sehr viele Details stark verkürzt erzählt und nicht ganz erklärt wurden. Das mag viele verärgern und die Qualität der Serie schmälern, aber ich freue mich auf die Möglichkeit, tiefer in die Geschichte eintauchen zu können. Immerhin ist die Serie seit der zweiten Staffel immer mehr zu einer Fanfiction mutiert, die mehr Action präferiert und Charaktere teilweise anders darstellt.

Die Mutation gefällt mir allerdings. Ich kann mit den Schwächen der Serie (meistens) gut leben und die Stärken genieße ich ungemein. Ich hatte viel Spaß, was wohl auch daran lag, dass ich mittlerweile tief in der Materie stecke und mich über die Grenzen der Serien hinweg informiere. Die sechste Staffel gehört so neben Staffel 1 zu meinen Favoriten.

Chef’s Table

Omnomnom! Schon wieder das Thema Essen. Diesmal isst aber das Auge mit. In der Doku-Serie Chef’s Table geht es um das Leben und Essen von Meisterköchen. In jeder Folge wird ein internationaler Koch in Szene gesetzt. Und wenn ich „in Szene gesetzt“ sage, dann meine ich in Szene gesetzt! Rauchschwaden ziehen in Zeitlupe durch die Küche, Nahrungsmittel werden in hochauflösenden Nahaufnahmen zur Kunst erklärt und die Köche als Götter dargestellt. Wenn man eine Folge beliebig pausiert, erhält man in aller Regel ein Bild, das man einrahmen und aufhängen könnte.

Inhaltlich passiert gar nicht so nicht viel. Chef’s Table zeigt in eindrucksvollen Bildern Weltklasse-Restaurants und präsentiert die obsessiven und kreativen Köpfe dahinter. Mit am spannendsten ist die Vielfalt an Orten und Charakteren. Weltweit schaut man den unterschiedlichsten Menschen dabei zu, wie sie ihr Handwerk perfektionieren. Und dabei hat jeder Koch irgendeine andere (Superhelden-)Fähigkeit und jeder hat einen anderen Lebensweg beschritten. Leider sind es vor allem weiße Männer, denen wir beim Kochen und Philosophieren zugucken, aber das ist wohl auch die Realität hinter den Herden der kulinarischen Oberklasse.

Foodporn mit klassischer Musik

Auf Chef’s Table trifft der Ausdruck „style over substance“ voll und ganz zu. Aber wie ich in der Vergangenheit schon des Öfteren hab anmerken lassen, bin ich ein großer Freund von visueller Pracht. Chef’s Table erinnert mich immer wieder an Indie Game The Movie, eine weitere Dokumentation über Macher und ihr Werk. Auch dort vermitteln die Bilder in Kombination mit der Musik von Jim Guthrie eine gewisse Ruhe, die mich sehr entspannt. Und dieses Gefühl habe ich auch, wenn ich Chef’s Table sehe und ich mich der klassischen Musik hingebe, die das Spektakel untermalt und neben den Speisen so viel Raum einnimmt wie die starken Bilder.

Der Mann hinter dieser Serie ist David Gelb, dessen Vater (oh welch Zufall) irgendwas mit klassischer Musik macht. Chef’s Table zählt als Nachfolger von Gelb’s Erstlingswerk Jiro und das beste Sushi der Welt, wo es um die Sushi-Legende Jiro Ono geht. Weil ich Japan mag, werde ich mir den Film auch mal ansehen. Doch vorher gucke ich die zweite Staffel von Chef’s Table auf Netflix und ihr solltet mindestens die erste Staffel gesehen haben. Da sind einige gute Folgen dabei (und es sind nur sechs).

House of Cards S04 (2016)

Nachdem die dritte Staffel von House of Cards sehr langatmig war und wenige abwechslungsreiche Geschichten erzählte, wirkt die vierte Staffel wie eine Wiedergeburt der Serie. Viel passiert, auch außerhalb des politischen Alltags, und die Underwoods erleben eine verdiente Weiterentwicklung. Wer House of Cards mag, wird diese Staffel mögen.

Daredevil S02 (2016)

Auch die zweite Staffel von Daredevil hat mich wieder überzeugt. Gefühlt sogar noch mehr als die erste Staffel, die mein Bild von gelungenen Superheldenserien seitdem prägt.

Wo noch in der ersten Staffel Wilson „Kingpin“ Fisk von der Randfigur zum Hauptdarsteller erhoben wurde, erhält der Punisher hier diese Aufmerksamkeit. Wir erfahren aber nicht nur, wie Frank Castle zum Punisher wird. Die zweite Staffel ist gefüllt mit alten und neuen Andeutungen, mit alten wie neuen Figuren (Elektra!) und einigen Referenzen zu anderen Netflixserien über Superhelden (Jessica Jones!).

Und wo die letzte Staffel am Ende schwächelte, war ich hier durchweg begeistert – und angeekelt – von der düsteren Stimmung und der immer aussichtsloseren Zukunft der Charaktere. Daredevil ist spätestens ab jetzt keine Serie für seichte Gemüter. Hier wird rücksichtslos zugeschlagen und geschossen. Körperlich und seelisch stehen die Charaktere nach 13 Folgen in einem Blutbad. Zum Glück trägt Daredevil rot.

Star Wars: The Clone Wars (2008–2014)

Als ich in den vergangenen Wochen erzählte, dass ich aktuell keine Film- und Serientipps entgegennehme, weil ich „Star Wars: The Clone Wars“ gucke, hatte ich häufig mit den gleichen Reaktionen zu kämpfen. „Oh, diese Trickfilme?“. Ja, diese Trickfilme. Und nein sie sind nicht so schlecht, wie sie vermuten lassen. 

„Star Wars: The Clone Wars“ entstand unter der Führung von George Lucas und wurde von Dave Filoni umgesetzt. Die Trickserie mag auf den ersten Blick an all die uninspirierten und anspruchslosen Kindersendungen erinnern, die nachmittags im Fernsehen laufen und mit etwas Abstand nur schwer zu verkraften sind. Doch die äußere Erscheinung, dieses billig animierte 3D, täuscht über die Tiefe der Serie hinweg.

In „Star Wars: The Clone Wars“ werden zahlreiche Geschichten erzählt, die Gewicht haben. Es geht um Liebe, Verrat, Tod und Freundschaft. Man bekommt die Klonkriege aus den Filmen nochmal detailliert aus anderen Perspektiven erzählt. Man folgt Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker und vor allem lernt man Anakins charismatische Padawan Ahsoka Tano kennen, die zum Highlight der Serie avanciert. 

Obwohl ich anfangs selbst skeptisch war, begann ich mit der Serie nach mehreren Empfehlungen. Nach sechs langen Staffeln, kann ich diese Serie jedem Star-Wars-Fan ans Herz legen. Es gibt viele Episoden, die unwichtig sind und die visuelle Umsetzung lässt anfangs sehr zu wünschen übrig, aber am Ende hat man sehr viele gute neue Geschichten im Star-Wars-Universum erlebt. Und dafür lohnt es sich allemal. 

Mr. Robot (2015)

Die letzte Hackerserie, die ich sah, war „Halt and Catch Fire“. Super Schauspieler, cooles Setting, aber irgendwie lahm. Auch nach einem zweiten Versuch kam ich nicht in die Story rein. „Mr. Robot“ hat ein ganz anderes Sexappeal, ist anfangs auch irgendwie lahm, aber dann doch zu faszinierend, um nicht weiterzugucken. 

Es geht um den talentierten Programmierer Elliot, der psychisch einige Probleme hat. Er ist kein Freund von Menschen, hackt sich aber gerne in deren Leben und nutzt seine technischen Fähigkeiten, um über sie zu richten. Irgendwie gerät Elliot in die Hackergruppe fsociety, die sich zum Ziel gesetzt hat, das übermächtige Unternehmen Evil Corp. zu hacken und die digitale Finanzwelt zugunsten der Ärmeren lahmzulegen. Robin Hood und Anonymous lassen grüßen. 

Die Story der ersten Staffel entfaltet sich langsam, aber am Ende wird man als Zuschauer dafür belohnt, weil das Gesamtbild ein ganz neues Licht auf die Serie wirft. Man mag hier das Wort „Mindfuck“ verwenden. Wer also ein Grundinteresse an düsteren Hackergeschichten hat, muss Mr. Robot sehen.