Detective Pikachu (2019)

Detective Pikachu ist unterhaltsam und seltsam. Ein mutiger Film, der nicht besonders gut ist, aber wahrscheinlich interessanter als jede polierte Alternative. Als ich den Trailer sah, musste ich unweigerlich an die Realverfilmungen von Super Mario Bros. und Teenage Mutant Ninja Turtles denken. Die ganze Ästhetik hat mir bereits im Trailer nicht zugesagt und im fertigen Film war ich auch nur selten begeistert vom „realen“ Art Design. Meine Highlights sind die liebevollen Interaktionen mit Pokémon und der omnipräsente Humor von Ryan Reynolds. Das Ende hat mich ziemlich überrascht. Auf eine schlechte Art und Weise.

Das Endspiel der Rächer

Bestimmt wird das nicht mein Lieblingsfilm, aber so eine Leistung sieht man selten auf der Leinwand. Aktuell würde ich dem Film das Prädikat „historisch“ verleihen. Mal schauen, ob man das noch in 5 Jahren über diese Leistung denkt. Wer weiß, wie gut der Film altert und was wir bis dahin noch zu sehen bekommen. 

Ich über Avengers: Infinity War

Avengers: Endgame (2019)

Auch der Abschluss der Infinity-Saga ist historisch. Avengers: Endgame ist nicht nur besser als sein Vorgänger, er zeigt mir auch deutlich wie schlecht Infinity War gealtert ist. Endgame nimmt sich die Zeit, die sich Infinity War nicht nahm. Es ist schon verrückt, wie anders sich zwei Filme anfühlen, die quasi gleichzeitig geplant und realisiert wurden.

Wir haben es hier mit dem Abgesang einer Generation zu tun. Und dieser Abschied wird im gesamten Emotionsspektrum zelebriert. Ich lachte, ich weinte, ich jubelte, ich hielt die Luft an. Diese CGI-gewordene Machtfantasie erfüllte mein Verlangen nach echter Superhelden-Action, wie ich es mir als Kind und Jugendlicher zusammenfantasiert hatte. Wo sonst der Drang nach Realität herrschte, nahm jetzt endgültig die Transition zur fantasievollen Comic-Erzählung überhand. Das Marvel Cinematic Universe hat nun keine Grenzen mehr. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, wird sich sehen lassen. 

Bild © Marvel Studios 2019

Marvels Antwort auf toxische Männlichkeit

Das Internet hat ein kleines, aber lautes Problem: gekränkte Männer. Seit dem Phänomen Gamergate kristallisierte sich in den letzten Jahren eine zunehmend toxische Minderheit heraus, die gegen eine inklusive Medienlandschaft hetzt. Es sind Jungs und Männer, die sich echauffieren, weil die Welt und ihre Filme, Spiele und Comics nicht mehr nur von weißen Männern geprägt werden. Da werden Scheinargumente in langen Essays auf YouTube vorgetragen, um Filme und ihre Macher gezielt zu diffamieren. Es herrscht Hass in diesen Videos. Es geht ums Austeilen. Einstecken kann davon niemand. Sonst würde man sich seiner Liebe widmen und nicht wegen eines inklusiven Films Shitstorms heraufbeschwören. Und obwohl Captain Marvel für viele erfolglose Shitstorms gesorgt hat, ist es gleichzeitig die beste Antwort auf diese giftige, hassgetränkte Kultur, die vornehmlich aus weißen Männern besteht. 

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Diese PS4-Titel habe ich angezockt

Mit dem Kauf der PlayStation 4 im Herbst hatte ich mir vorgenommen, die Spiele maximal günstig aus den Bücherhallen auszuleihen. Die Bücherhallen sind die öffentlichen Bibliotheken Hamburgs, die miteinander vernetzt an mehreren Standorten alle erdenklichen Medien verleihen. Für schmale zwei Euro kann ich mir ein Spiel vormerken lassen. Das erhalte ich dann an einen gewählten Standort geliefert, sobald ein Exemplar verfügbar ist. Dieses kann ich dann abholen und einen Monat lang behalten. Wenn ich mir ausmale, wie viel ich noch zu Schulzeiten für Spiele aus Videotheken bezahlt habe, fühlt sich diese Methode wie Ladendiebstahl an. 

Ich weiß leider nicht wie verbreitet diese Art der Reservierung ist, aber ich wollte das mal am Rande empfehlen. Vielleicht gibt es woanders ähnliche Angebote. Eigentlich soll es aber um die Spiele gehen, die ich anzocken konnte. 

Marvel’s Spider-Man

Ich starte direkt mit der Perle. Das Sony-exklusive Spider-Man ist ein wahres Liebhaberspiel für mich. Ich kann es nicht ganz ohne Vorbehalte weiterempfehlen, aber für einen Marvel-Fanboy, dem die Arkham-Spiele der Rocksteady Studios zugesagt haben, ist dieses Spiel ein kleines Meisterwerk. Die Steuerung ist alles, was ich erwartet habe. Die Interpretation der bekannten Charaktere ist liebenswert. Ich könnte mir den ganzen Tag die Zwischensequenzen mit Peter Parker und Mary Jane Watson anschauen. Das Spiel hat, typisch für Spider-Man, eine positive Atmosphäre und enthält ein paar schöne Überraschungen. Am Ende bleibt es aber ein repetitiver Superheldenprügler, der das Genre nicht neu erfindet. Aber da mich das keineswegs stört, hat mich das Spiel absolut abgeholt.

Assassin’s Creed Origins

Die neue Formel der Assassinenreihe hat mir gar nicht so gut gefallen wie erwartet. Gerade zu Beginn fühlte ich mich in die fremde Welt hineingeworfen. Die Wüste Ägyptens war überraschenderweise nicht mein Setting, zumindest nicht so, wie es mir hier vorgesetzt wurde. Und dabei hatte ich schon immer einen Faible für das alte Ägypten. Ich bin nicht weit gekommen, aber es wurde besser und es wird wahrscheinlich noch besser, aber irgendwie kam ich nicht über den Anfang hinweg. Wenn ich mich an die Reihe um Ezio (Assassin’s Creed 2, Brotherhood, Revelations) zurückerinnere, die ich zuletzt gespielt hatte, war das noch ein anderes Spiel in seiner Erzählweise. Dass sie eigentlich am Gameplay geschraubt haben, war mir ziemlich egal. Dafür war ich offen, aber ich hatte nie ein Problem damit.

Scribblenauts: Showdown

Ich weiß noch, als ich das erste Mal von Scribblenauts gehört hatte. Damals war das noch ein Spiel für den Nintendo DS. Man schrieb ein Wort mit dem Stylus und aus dem Wort wurde ein Gegenstand in der Spielwelt. So sollte man Herausforderungen meistern und Probleme lösen. Es war ein Spiel für Kreative™ und als so jemand hatte ich mich früher immer identifiziert. Jetzt war ich natürlich gespannt auf eine neue Version der mittlerweile großen Spielereihe. Leider war mir nicht klar, dass Scribblenauts: Showdown eine Mehrspieler-Variante ist, die mit okayen Minispielen daherkommt. Ich habe dem leider nicht wirklich eine Chance gegeben, aber es war nicht das Spiel, was ich mir erhofft hatte. Zumindest gab es ein paar Karten, auf denen man sich auch alleine austoben konnte, um Chaos zu verursachen und versteckte Rätsel zu lösen. Das war ganz nett. Vor allem zeigte mir dieser Modus, wie ausgefeilt Scribblenauts mittlerweile ist. Man kann zahllose Dinge und Wesen erschaffen und sie außerdem mit beliebigen Adjektiven definieren. So wird aus dem T-Rex ein netter Dinosaurier, der mich nicht sofort verspeist und das Schwert kann auch direkt brennend für Unheil in der Spielwelt sorgen. 

Tearaway Unfolded

Ich bin ja Fan von Media Molecule. Dieses Studio ist einfach ein Schatz für unsere Spielelandschaft. Und dabei haben sie nur drei unterschiedliche Spiele im Sortiment, wovon eines erst dieses Jahr erscheinen wird. Dreams wird kein Spiel im klassischen Sinne sein, sondern viel mehr ein riesiger Baukasten für Spiele. Meine erste Berührung mit dem Studio war deren Debüt LittleBigPlanet, das Jump’n’Run mit dem Sackboy, das sich durch einen umfangreichen Level-Editor einen Namen gemacht hat. Tearaway ist dagegen einfach ein liebevolles 3D-Jump’n’Run. Und zwar ganz ohne riesigen Editor im Hintergrund. Trotzdem nimmt man mit Gesten und Zeichnungen Einfluss auf die Spielwelt aus Papier. Ich habe zwar nicht viel Zeit reingesteckt, aber es weckt in mir nostalgische Gefühle. Dieses Spiel würde ich bedenkenlos mit einem Kind spielen wollen. Tearaway fühlt sich in seiner Machart viel mehr nach einem Nintendo-Titel an. Dass Sony überhaupt noch große Familienspiele in seinem Sortiment hat, verdanken sie vor allem Media Molecule.

Musik von Herzen

Es muss 2016 gewesen sein, als mir Philip vom Heimwerkerking erzählte. Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen. Bei YouTube-Empfehlungen bin ich immer vorsichtig. Da spalten sich die Gemüter. Selten habe ich mich dermaßen getäuscht. Bei Fynn Kliemann sind sich so gut wie alle einig. Fynn ist ein herzensguter Chaot, der von Design über YouTube bis hin zur ersten eigenen Platte nichts auslässt und alles auf eigene Faust probiert. Und das meist erfolgreich und das trotz, oder gerade wegen, vieler Umwege mit Dellen und Beulen.

Mit seinem Album nie hat er sich ein Denkmal geschaffen, dass vor Ehrlichkeit strotzt. Viel zu lange habe ich auf diese Platte gewartet. Die Soundschnipsel aus seinen YouTube-Videos oder Instagram-Stories waren für mich schon immer hörenswerte Einblicke. Leider hat er nur das allerwenigste veröffentlicht. Jetzt kann ich endlich Geld auf seine Musik werfen und hoffen, dass noch mehr daraus entsteht. Danke Philip für den Tipp und danke Fynn für den endlosen Output.

Tatort, Donnie Darko und Stranger Things

Dark – Staffel 1 (2017)

Normalerweise kranken deutsche Serien daran, dass sie immer wieder die gleichen Kriminalgeschichten erzählen. Mutiger wird’s nicht. Auch Dark ist ein Krimi. So richtig Tatort-mäßig. Deutsche Kleinstadt, Kinder werden vermisst und die Kommissare gehören selbst in den Knast. Alles wie gehabt. Wenn es so wäre, hätte ich nicht weitergeschaut. Nein. Ich hätte Dark nicht mal angeklickt auf Netflix. 

In Deutschland ist sogenanntes „Genrekino“ Mangelware. Zwar laufen in unseren Cineplex-Kinos ausschließlich internationale Genrefilme, aber Science-Fiction aus Deutschland wird man deshalb noch lange nicht serviert bekommen. So die Annahme. Doch dann kommt plötzlich Netflix um die Ecke und ermöglicht zwei deutschen Filmemachern die kreative Freiheit, ihre Idee für eine Zeitreise-Geschichte zu verwirklichen. Dark ist geboren.

Dark ist zwar ein Krimi, aber auch Science-Fiction und Mystery. Und obwohl sehr viel wert auf die übernatürlichen Elemente gelegt wird, gehen die einzelnen Menschen in der Geschichte nicht unter. Ganz im Gegenteil. Die Charaktere sind großartig divers. Jeder einzelne hat Bedürfnisse und Probleme, die das Geschehen ins Rollen bringen. Wir haben markante Gesichter von jung bis alt. Die Serie ist ein Gegenstück zu all den glatten amerikanischen Kleinstadtserien, wo es nur so von jungen Models wimmelt.

Wenn ihr euch auch mehr schockiert als informiert abwendet, wenn ihr mit einer deutschen Produktion konfrontiert werdet, dann solltet ihr Dark eine echte Chance geben. Und wenn Dark Erfolg hat, ist es nur noch ein kleiner Schritt zum nächsten Genrefilm aus Deutschland oder Europa. Ich sag nur NAZI-PIRATEN FROM OUTER SPACE!

Bären, die auf London starren

Animationsfilme haben sich mittlerweile als gute Unterhaltung für groß und klein etabliert. Nicht zuletzt dank solcher Namen wie Pixar, Ghibli und Laika, die sich um inhaltlichen Tiefgang bemühen und visuelle Maßstäbe setzen. 3D, 2D und Stop-Motion-Animation sind somit in guten Händen. Was ist aber mit diesen Filmen, wo echte Darsteller auf animierte Figuren treffen? Ich rede jetzt nicht von effektvollen Superheldenfilmen, sondern von Familienfilmen, wo bekannte Figuren aus Kinderbüchern zum Leben erweckt werden. In Deutschland sind Kinderfilme ohnehin ein sehr trashiges Unterfangen. Mit Petterson und Findus hat man 2014 bewiesen, dass man in Deutschland lieber keine geliebten Figuren in 3D modellieren sollte. Wer glaubt denn daran, dass der geplante Benjamin Blümchen Realfilm einen Deut besser sein kann? In Deutschland sind Kinderfilme reine Geldmache ohne Sinn für Perfektion – im Gegensatz zu den meisten Buchvorlagen, auf denen sie basieren. Autoren und Illustratoren würde ich in den meisten Fällen nicht vorwerfen, gierig und verdorben zu sein. Sonst wären sie nicht Autoren und Illustratoren geworden, sondern Diktatoren oder BWLer. Wo sind nun aber die Filmstudios, die sich für liebenswerte Kinderfilme interessieren?

Paddington (2014)

Tatsächlich sitzen diese Studios auch in Europa. Eine englisch-französische Koproduktion gehört fortan zu den Paradebeispielen des „live-action animated films“. Mit Paddington wurde eine britische Kinderbuchlegende zu einer britischen Filmlegende. „Legende“ ist wahrscheinlich übertrieben, aber meine hohen Erwartungen wurden ordentlich übertroffen. Der Film strotzt vor Charme und Lebensfreude. Er behandelt Themen wie Familie und Migration. Er ist bisweilen so bunt und symmetrisch wie ein Wes-Anderson-Film, aber auf die beste Art und Weise. Ich finde es immer erfrischend, wenn Filme mehr als die Realität abbilden und zu bewegten Illustrationen werden. Paddington ist hochwertig produziert und hat ein Star-Ensemble, das sich sehen lassen kann.

Ich kann den Film jedem Menschen und Bären empfehlen, der sich auch nur im Ansatz für gute Familienunterhaltung begeistern kann.

X-Men aus der Psychatrie

Nach X-Men in der Psychatrie folgt X-Men aus der Psychatrie oder so ähnlich. Nach der großartigen ersten Staffel, habe ich endlich Staffel 2 von LEGION durchgebinged. Es war mir wieder ein Sehvergnügen, das seines Gleichen sucht. Ich hatte bisweilen Zweifel und musste mich immer wieder neu auf die Serie einlassen, weil wir es hier mit anderen (sprich: gar keinen) Regeln zu tun haben. Noah Hawley hat sich als Serienmacher der anderen Art etabliert. Er tobt sich in der zweiten Staffel richtig aus. Er nimmt Fahrt auf, um dann abrupt stehen zu bleiben. Legt nochmal den Rückwärtsgang ein und fährt noch ein zweites Mal über die Leichen, die er auf dem Weg verursacht hat.

Ich sag’s mal so: die erste Staffel war seltsam, aber rund. Die zweite Staffel ist ein Ei mit Dellen und einem fetten Loch in der Mitte. Das Ende ist gewagt und hat mich zunächst zweifelnd zurückgelassen. Mit ein bisschen Hirnschmalz und Input aus Reddit hat es für mich dann doch widerwärtig gut funktioniert. Irgendwie kann ich immer noch nicht glauben, dass diese Serie existiert. Und es soll wohl noch eine dritte Staffel geben. Wer sich also trotz erzählerischer Turbulenzen auf ausgezeichnetes Design und Atmosphäre einlassen kann, ist herzlich eingeladen weiterzufahren – per Anhalter durch die Wüste in einer Rikscha.

X-Men in der Psychatrie

Kommt ein Mutant in die psychiatrische Klinik. Was nach einem schlechten Witz klingt, ist eine herausragende Serie vom Macher von Fargo Noah Hawley. Alles ist von Grund auf verwirrend, die Bilder sind bunt, fragmentiert und symmetrisch. Legion ist ein visueller Drogentrip.

In Legion geht es um David Haller, Sohn von Charles Xavier aka Professor X. David hat als Mutant mächtige Fähigkeiten, die über alles hinausgehen, was wir je in einem X-Men-Film gesehen haben. Das Problem ist nun aber, dass David nicht die Kontrolle über seine Fähigkeiten hat, weil er schizophren ist. In seinem Kopf herrscht Chaos, wovon wir als Zuschauer fortwährend Zeuge werden. Er glaubt, seine übernatürlichen „Unfälle“ seien Teil seiner Halluzination. Die Stimmen, die er hört, bilde er sich nur ein. Es ist alles ein großes buntes Durcheinander, wie man es sonst nur aus Eternal Sunshine of the Spotless MindScience of Sleep oder I’m a CyborgBut That’s OK kennt. Fans dieser Filme müssen hier einen Blick riskieren. Einen geduldigen Blick, der nicht nach Antworten sucht, sondern sich auf die Welt und ihre Eigenarten einlässt. Es gibt wenig Action und viele Traumsequenzen. 80 Prozent der Serie spielt sich in irgendwelchen Köpfen ab. Spätestens jetzt sollten sich die richtigen Leute angesprochen fühlen. Schaut euch Legion an, eine Serie, wo mehr getanzt als gekämpft wird.