Game of Thrones: Live Concert Experience (Hamburg)

Epischer als dieses Konzert wird es nicht mehr. Ramin Djawadi, Komponist von Game of Thrones und Westworld, hat eine Soundkulisse erschaffen, die vor Kraft strotzt. Die Trommeln vibrieren durch den ganzen Saal. Die exotischen Instrumente sind unverkennbar ein Teil jeder Melodie. Nichts ist so erhaben, wie Dutzende Streicher, die im gleichen Rhythmus wild über die Saiten reiten. Der Chor reißt einen in die Welt von Westeros und Essos. Wenn Daenerys auf der Leinwand „Dracarys“ ruft, haben die Pyrotechniker ihren Spaß. Überhaupt war es eine schöne Abwechslung, auch ein Orchester zu sehen, das Spaß hat. Wie oft sitzen dort ernste Gesichter an ernsten Instrumenten? Hier werden Melodien gefeiert und nicht zu Grabe getragen. Und sieben Staffeln haben viele Melodien hervorgebracht, die gefeiert werden sollten. Und das hat Ramin Djawadi gemacht. Bescheiden und voller Dankbarkeit stand er vor Tausenden und hat seine Liebe zur Musik gefeiert.

Als Musikvideos noch Fernsehsender hatten

Die letzten Atemzüge von MTV und VIVA waren meine Jugend. Ich nahm Musikvideos mit dem VHS-Rekorder auf. Die Charts waren das Hintergrundrauschen in meinem Zimmer. Hausaufgaben wurden gemacht, bis wieder ein guter Clip gezeigt wurde. Aus der Konzentration für Mathe wurde die Hingabe für Linkin Parks Video zu Breaking The Habit. Oh, sie zeigen mal wieder Daft Punks Technologic. Das Video sorgte für Albträume. Ich habe Musik schon immer genossen, aber nichts kam einem Lied gleich, das auch noch ein perfektes Video im Gepäck hätte. Jeder weiß, wie unterschiedlich Menschen auf Musik reagieren. Das selbe gilt für Videos. Wenn man für sich die perfekte Kombi aus Audio und Video findet, hat man schon sehr viel Glück gehabt. Und früher war das keine Seltenheit. Musikvideos waren Kunst, wenn Michel Gondry sie gedreht hat. Spike Jonze hat uns einen legendären Flug von Christopher Walken beschert. Und mir fallen noch zehn weitere Videos ein, die ich mal an anderer Stelle sammeln werde.

Die Musikindustrie hat sich verändert wie keine andere. In den letzten 20 Jahren gab es mehr Veränderungen als jemals zuvor. Die letzten Tapes wurden durch CDs ersetzt. MP3-Player ersetzten den Discman. Der iPod wich dem iPhone und jetzt streamen wir alles. Das nebenbei MTV unterging und nur noch als Schatten seiner selbst rund um die Uhr Reality-TV zeigt, wundert einen dann auch nicht mehr. Wo früher kreative Musikvideos im Vordergrund standen, steht heute … ja, was steht da heute eigentlich? Wenn ich mir aktuelle Pop-Hymnen im Bewegtbild anschaue, wirkt alles auf mich wie großes Kino und durchchoreografiertes Tanztheater und ganz viel dazwischen. Klar, das Internet ist riesengroß und man hat mehr Möglichkeiten als jemals zuvor. Es gibt sie, die guten Videos, auch von kleinen Künstlern. Ich sehe sie aber nicht. Und das obwohl alles vernetzt ist und alle alles teilen. Wenn ihr ein Video teilen wollt, dann macht das doch in den Kommentaren. *winkwink*

Aber genug der Einleitung. Eigentlich wollte ich nur dieses frische Meisterwerk von Donald Glover aka Childish Gambino im Blog verewigen. In This Is America kulminieren Musik, Sozialkritik und Ausdruckstanz, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Ich habe es mir schon ein Dutzend Mal angeschaut und ich entdecke noch immer Details und verehre immer mehr Teilaspekte. Die einzelnen Bilder und Schnitte. Hach. Da darf auch der Regisseur Hiro Murai nicht unerwähnt bleiben.

“This is America” by Childish Gambino

Kreative Musikvideos sind Mangelware

Cassius ft. Cat Power Pharell Williams | Go Up

Kreative Musikvideos sind Mangelware. Kennt ihr vielleicht noch Perlen dieser sträflichst vernachlässigten Videokunst? Mir fallen gerade nur zwei Namen ein, wenn ich daran denke: Michel Gondry und OK Go. Ich muss auch zugeben, dass ich seit dem Ende von MTVs Musiksendungen keine nennenswerte Zahl an Clips mehr gesehen habe. Das liegt aber wahrscheinlich auch genau daran, dass die allermeisten Videos wirklich langweilig sind. Go Up von Cassius ist da eine sehr willkommene Abwechslung. Auch scheint Alex Courtès, der Regisseur hinter diesem zweigeteilten Geniestreich, schon mehrere andere kreative Auswüchse hervorgebracht zu haben. Unter anderem auch dieses Video von Justice und diesen legendären Clip für Seven Nation Army. Da lässt sich definitiv ein Muster erkennen, das zwischen den ganzen seelenlosen Popvideos heraussticht.

🔗 Episode 92: La La Land

Song Exploder is a podcast where musicians take apart their songs, and piece by piece, tell the story of how they were made.

Künstler erzählen die Geschichte hinter den Songs. Damit beschäftigt sich der Podcast Song Exploder. Und in einer Episode wurde der eindringlichste Song aus La La Land näher beleuchtet: Justin Hurwitz über „Audition (The Fools Who Dream)“

La La Land (2016)

Ich freute mich auf La La Land und nachdem der Film mehrere Golden Globes gewinnen konnte, war ich sehr eifrig, schnell ins Kino zu stürmen und diesem Mix aus Musical, Comedy und Drama beizuwohnen. Und? Am Ende war ich noch begeisterter als vorher. Like! Daumen hoch! 11 von 10 Gummipunkten! 120%! Okay, ich übertreibe ein wenig, aber La La Land ist zwischen den Musicaleinlagen ein wirklich guter Film.

1. Das Drehbuch

Es mag einem seltsam vorkommen, aber die Dialoge sind wirklich gut. Da muss man sich auch mal davon loslösen, dass es als Musical beworben wird. La La Land ist nämlich eine Geschichte über Träume. Träume und wie sie wahr werden. Träume und wie sie scheitern. Und alles dazwischen. Es ist ein Beziehungsdrama ohne zu viel Kitsch. Und nicht so ernst, dass es schon wieder depressiv macht. Denn davon haben wir aktuell mehr als genug. La La Land ist eigentlich die Gegenthese zur zeitgenössischen Serien- und Filmwelt, in der Antihelden regieren und Happy Ends ein Tabu sind. La La Land ist das Gegenteil von Breaking Bad und Game Of Thrones, The Revenant und Mad Max: Fury Road. Ich mag all diese Sachen, aber ich vermisse gut geschriebene, luftig lockere Unterhaltung, die sich ernst, aber nicht zu ernst nimmt. Und das ist La La Land.

2. Die Darsteller

Emma Stone und Ryan Gosling sind nicht Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Und das ist gut so. Ich mag die beiden, weil sie so anders sind als andere Hollywoodstars. Die beiden sind charmant und auf dem Boden geblieben. Bissig, ohne arrogant zu wirken. Ich hätte mir durchaus andere Darsteller vorstellen können, aber dann wäre es ein anderer Film geworden. Dieses La La Land ist aber ehrlich und bodenständig.

3. Die Musik

Wegen der Musik gehen wohl die meisten ins Kino. Sie erwarten ein Musical. (Und ich mag Musicals übrigens.) Stellenweise ist es auch das, aber das sollte man nicht zwei Stunden lang erwarten. Es ist nur ein Teil des Ganzen. Und zwar ein Teil, der Gefühle und Träume bildlich und musikalisch darstellt. Ein kitschiges Unterfangen, ohne es auf die Spitze zu treiben. Niemals sieht man die beiden Hauptdarsteller weinerlich in den Mond schauen, während sie an zwei verschiedenen Orten die gleiche traurige Ballade schmettern. Man ist sich der Grenze bewusst und überschreitet diese vielleicht nur ein Mal im gesamten Film. Und trotz gemäßigter Songeinlagen ist die Musik der Star des Films. Einzelne Songs sind so gut, dass sie sich wie bekannte Klassiker anfühlen (City of Stars). Während ich das hier schreibe, trällere ich nebenbei die Melodien der einzelnen Themen. Wieso ist das so bemerkenswert? Weil Filme keine richtigen Soundtracks mehr haben (Siehe The Marvel Symphonic Universe). An welchen Score des letzten Jahres könnt ihr euch noch erinnern? Mal abgesehen von Star Wars. La La Land ist ein Film und ein Konzert. Ein Film für Cineasten und ein Konzert für Jazz-Enthusiasten.