Groß, stumpf und witzig – so muss Kino sein

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017)

Dieser Film ist vorhersehbar, laut und bedient sich allen Klischees eines Superheldenfilmfinales. Und trotzdem liebe ich den zweiten Teil von Guardians of the Galaxy! Der erste war ein Überraschungserfolg, weil niemand diese Truppe an Superhelden kannte. Jetzt sollte jeder wissen, worauf er oder sie sich einlässt. Und wer den ersten mochte, wird auch mit dem zweiten sehr viel Freude haben. Spaß ist nämlich garantiert. Wo ich mich bei Deadpool für viele Lacher schämte und mich teilweise sehr unwohl mit den Gags fühlte, ist das hier mein humoristischer Safe-Space. Jeder Witz sitzt und ich lache lauthals mit den hundert Menschen im Kino mit. Zwischendurch schwärme ich von den protzigen Farben, die die Leinwand wie ein Feuerwerk erhellen. Am Ende bleibt ein gutes Filmerlebnis, das den Vorgänger nicht übertrifft, aber mit den richtigen Mitteln fortführt.

Damit habe ich 5 Filme aus meiner Filmvorschau für 2017 gesehen.

Blut auf Adamantium

Logan (2017)

Ein letzter Wolverine-Film mit Hugh Jackman sollte es werden. Ein Film, um sowohl dem Schauspieler als auch dem Charakter gerecht zu werden – um sie würdig zu verabschieden. Der Regisseur James Mangold hatte bereits Erfahrung mit dem „Vielfraß“ (die direkte Übersetzung des Namens btw) gesammelt, als er den passablen The Wolverine gedreht hatte. Diesmal ist aber fast alles anders. Und genau deshalb ist fast alles perfekt.

Sagen wir es mal so. Ich bin Fan der X-Men-Filme, weil ich die Charaktere und die Metaphern dahinter sehr schätze. Aber ich bin kein Fan der Action in X-Men-Filmen, wenn es aufs Ende zugeht. Schlechte Schurken werden auf langweilige Art und Weise vernichtet, während die spannenden Geschichten und Charaktermomente flöten gehen. X-Men 3 ist als Film vollkommen diesem Phänomen unterlegen. Und viele weitere haben auf diese Weise einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Logan leidet unter dem gleichen Problem, aber es ist für mich das einzig große Problem. Und das Ende des Films ist überhaupt nicht misslungen, aber insgesamt schwächer als der Rest des Films.

Der Rest des Films

Es handelt sich um einen durch und durch traurigen Film über einen gebrochenen Mann, der all seine Geliebten sterben gesehen hat. Logan ist fast 200 Jahre alt und seine Selbstheilung ist längst nicht mehr die gleiche, wie sie mal war. Er ist einer der letzten lebenden Mutanten, arbeitet als Uber-Fahrer an der mexikanischen Grenze und versucht sich und seine Schützlinge über die Runden zu bringen, während seine Welt trist und einsam geworden ist. Logan sieht also aus wie ein Johnny Cash Album klingt.

Nun tritt aber ein Mädchen in sein Leben, welches er beschützen und zu einem sicheren Ort bringen soll. Ab da beginnt eine Achterbahnfahrt mit kreativen Actionszenen und pointiertem Humor. Selten habe ich bei einem Superheldenfilm so viel so ehrlich gelacht. Die meisten Filme versuchen es mit billigen Witzen, wo ich natürlich auch lache, aber Logan besticht durch gelungene Situationskomik und glänzende Charaktermomente.

Am Ende

Am Ende ist das wahrscheinlich der erste ehrliche X-Men-Film (vielleicht neben Deadpool), weil er sich so ernst nimmt, wie der erste Film der Reihe, aber das ganze auf eine erwachsene und blutige Ebene hievt. Zum ersten Mal fühlen sich Wolverines Adamantiumklauen wie tödliche Waffen an. Zuvor kippten Gegner um, aber diesmal werden den Widersachern die Krallen durch mehr Schädeldecken gebohrt, als ich zählen kann. Natürlich ist Brutalität kein Qualitätsmerkmal, aber in diesem Fall ist es wichtig, um aufzuzeigen, wie gefährlich dieser Kampf auch für unseren Helden ist, der noch nie so verletzlich war, wie in diesem Film. Er blutet und er keucht. Wolverine erleidet Wunden, die nicht mal ebenso heilen.

Nichts funktioniert und alles steht auf dem Spiel, ohne dass „die Welt“ in Gefahr ist. Und das ist es, was Logan so gut macht. Es ist ein Film über einen Mann, und die Leute, die ihm nahe stehen. Nicht mehr und nicht weniger. Logan ist wahrscheinlich die beste Comicverfilmung seit The Dark Knight. Und hoffentlich werden sich viele weitere Filme des Genres von dieser Art der Umsetzung inspirieren lassen.

Filmvorschau 2017

Auf diese Filme freue ich mich dieses Jahr besonders.

La La Land
Ich mag gute Musicals und das hier scheint mehr als gut anzukommen.

Hidden Figures
Ein Tipp, den ich im Auge behalte. Drei Afroamerikanerinnen berechnen die ersten bemannten Raumflüge für die NASA – trotz aller rassistischen und sexistischen Vorwürfe der 60er Jahre. (Danke Scath!)

Logan
Bamm. Der Trailer zum neuen Wolverine hat mich echt umgehauen. Hoffentlich sehen wir hier die Quasi-Verfilmung von The Last Of Us.

Guardians of the Galaxy Vol. 2
Nach dem ersten Action-Comedy-Spektakel erwarte ich nicht zu wenig von den kultigen Weltraumpiraten.

Thor 3: Ragnarok
Thor ist mir egal, aber dieses Abenteuer ist inspiriert von der legendären Comicreihe Planet Hulk. Außerdem spielt neben Hulk wohl auch Dr. Strange mit.

Spider-Man: Homecoming
Marvels erster Spider-Man-Film muss grandios werden, nachdem Sony zwei gute Anläufe spektakulär in den Sand gesetzt hat. Spider-Man ist immerhin mein Lieblingscomicheld.

Die Schöne und das Biest
Kein Highlight, aber ich bin interessiert. Das sollte eine solide Realverfilmung werden.

The LEGO Batman Movie
Ob der LEGO-Film ein zweites Mal funktioniert? Die kurzen Teasertrailer machen zumindest sehr viel Spaß.

Der Dunkle Turm
Ich habe viel Gutes über das Buch von Stephen King gehört. Könnte eine neue Fantasyreihe werden, auf die sich die Massen stürzen.

Power Rangers
Wird bestimmt schlecht, aber ich muss den sehen.

Ghost in the Shell
Ich befürchte Schlimmes. Kann also nur besser werden. Der erste Animationsfilm ist ein Meisterwerk.

Coco
Ein neuer Pixar-Film über den Día de los Muertos? Shut up and take my money.

Star Wars: Episode VIII
Is’ klar, ne?

Was sind eure Highlights?

Was könnt ihr noch empfehlen? Wo seid ihr der gleichen oder anderer Meinung? Ich freue mich über eure Kommentare.

Doctor Strange (2016)

Von zehn Filmen, die ich im Kino sehe, sind neun von Disney. Meistens steht das nicht auf dem Plakat, aber seit Pixar, Marvel und Lucasfilm zu Disney gehören, komme ich nicht mehr um den Mickey-Mouse-Konzern herum. Disney – das Nestlé der Unterhaltungsindustrie. So kam ich auch wieder in den Genuss des köstlichen Einheitsbreis, den Marvel Jahr für Jahr mit wenig geänderter Rezeptur kocht. Diesmal schmeckte die Heldenfertigsoße nach mehr Mystik und nannte sich Doctor Strange.

Benedict Cumberbatch spielt den selbstverliebten Neurochirurgen, der sich nach einem Autounfall in die heilenden Höhen des Himalaya begibt und in die magischen Hände von Tilda Swinton. Nach kürzester Zeit wird aus dem Skeptiker ein vorbildlicher Manipulator von Zeit und Raum. Außerdem spielt Mads Mikkelsen mit, aber er spielt als Antagonist eigentlich keine Rolle. Und so schnell der Film vorbei ist, so hastig wurde ein neuer Charakter aus den Comics in das Marvel Cinematic Universe (MCU) gehievt.

Stephen Stranges Werdegang hat zwar Ähnlichkeiten mit Tony Starks Egomanie, aber trotzdem finde ich, dass Strange den folgenden Filmen gut tun wird. Wir bewegen uns weg von der technophilen Welt rund um Iron Man und Captain America hin zu mehr mystischen Inhalten und Visionen. Und so neu sich das alles anfühlt und so spektakulär Doctor Strange aussieht mit all seinen Funken sprühenden Zaubern, so alt ist die Struktur dahinter. Zum Glück hat Marvel vorerst keine weiteren Filme geplant, wo neue Figuren so eingeführt werden. Beim neuen Spider-Man: Homecoming sollte also alles sehr viel flotter und interessanter vonstatten gehen.

Trotz der unterschwelligen Kritik war ich als Fanboy wieder einmal begeistert. Doctor Strange unterhält und entführt den Zuschauer in eine surreale Wirklichkeit, die ich zuletzt von Harry Potter gewohnt war. Das letzte Gefecht ist intelligent gelöst und macht Hoffnung auf ein wenig mehr Abwechslung, nachdem so viel so ähnlich ist in allen Filmen aus den Marvel Studios. Allen Logikfans sei noch ans Herz gelegt: sucht nicht nach den Systemfehlern und Logiklöchern in einem überdimensionalen Film-Franchise. Lehnt euch zurück und genießt den unterhaltsamen Groschenroman.

Doctor Strange Trailer 2

Der erste Trailer zu Doctor Strange vermochte mein Interesse zu wecken. Nach diesem zweiten Trailer bin ich aber endgültig überzeugt, dass ich diese Effekte im Kino sehen muss. Ich mag ja Benedict Cumberbatch, Inception und Superhelden. Das könnte hinhauen. Nur hoffe ich, dass die Story auch passt.

Captain America 3: Civil War (2016)

Als Hauptzielgruppe der Marvelfilme musste ich natürlich meiner Rolle gerecht werden und in den neuen Film gehen, damit die Marketingabteilung mich auch in Zukunft zuverlässig mit der richtigen Werbung zuballern kann. Doch abseits des riesigen Marketingspektakels ist auch ein guter Film entstanden. Captain America 3 setzt alle vorherigen Filme logisch fort und ändert den Kampf Gut gegen Böse geschickt in einen Streit innerhalb der Avengers.

Kurzum geht es um den Kampf Captain America gegen Iron Man. Steve Rogers gegen Tony Stark. Freiheit gegen Sicherheit. Und weil Cap und die eiserne Maske nicht ganz ohne Freunde dastehen, teilt sich die Superheldenriege in zwei Gruppen, die spektakulär aufeinandertreffen. Einerseits ist das total großartig, weil man sich als Kind genau diese Szenen so episch auf der großen Leinwand gewünscht hat. Andererseits spielt auch Ernüchterung mit. Ich bin noch immer gesättigt von der Schlacht um New York im ersten Avengers-Film. Und an die Gänsehautmomente von damals wird erstmal kein neues Effektfeuerwerk heranreichen.

Umso wichtiger ist, dass es sich hier nicht mehr um eine übernatürliche böse Kraft handelt, gegen die gekämpft werden muss. Die Story ist letztlich ein banaler Streit zwischen Freunden, der eskaliert und durch übermenschliche Faustkämpfe ausgetragen wird. Und diese Menschlichkeit ist das Größte, was man mit Superhelden auf die Leinwand bringen kann. Oft sind es die kleinen Momente zwischen den Actionsequenzen, die die großen Emotionen vermitteln. Da man in Civil War mit jeder Seite sympathisiert, funktionieren diese Momente auch in den Kämpfen selbst.

Fazit

Und so sehr ich den Film auch mochte – er war rund und hat viel für die weiteren Filme etabliert – muss ich doch sagen, dass er mich persönlich nicht so gepackt hat, wie ich es erwartet hatte. Civil War ist unter meinen Top 5 der Marvel-Verfilmungen, aber er hätte ganz oben stehen können. Irgendwas Banales hat mir gefehlt. Abwechslung in der Szenerie oder Farbgebung? Mehr oder andere Action? Der Film wirkte oftmals leer, obwohl so viele Stars zu sehen waren. Viele Szenen waren abgekapselt von der Umgebung, obwohl der Film auf der halben Welt spielt und sehr groß und international tut. Und ich glaube, das könnte es sein. Nur die erste Actionszene spielte in einer belebten Stadt zwischen echten Menschen, die Teil jeder Heldengeschichte sein sollten. Und diese Geschichte ist eine egoistische. Von, mit und über Helden. Und so menschlich sie auch sind, will ich sie unbedingt zwischen normalen Menschen sehen, die einkaufen oder zur Schule gehen, um mich als Teil der Geschichte zu fühlen.

PS: Spider-Man

Wer übrigens auch noch zur Schule geht und einen fantastischen Auftritt hatte: Spider-Man! Ich sag es hier und ab sofort immer wieder: Ein junger Spider-Man tut Marvel so gut, weil er sich noch vor seinem Leben verantworten muss. Während alle anderen Helden keinerlei Verantwortung oder Familie haben, wird Peter Parker noch mit normalen Problemen (Hausaufgaben, Pubertät, etc.) konfrontiert. Und das bedeutet wiederum, dass wir ganz andere Geschichten gezeigt bekommen. Und das ist verdammt wichtig zwischen all den Aliens und eintönigen Bösewichten.

Ant-Man (2015)

Man merkt die Einflüsse von Edgar Wright, wenn man Marvels Ant-Man schaut. Der Film ist witzig und hat ungefähr dessen Stil. Leider ist Edgar Wright, bekannt durch Shaun of the Dead und Scott Pilgrim, vorzeitig abgesprungen, obwohl der Regisseur mit den markanten Schnitten sich seit Jahren mit Ant-Man beschäftigt hatte. Das Marvel Cinematic Universe (MCU) muss halt bestimmten Regelmäßigkeiten und Gesetzen treu bleiben, die für manchen Kreativen zu weit gehen und nur noch einengen. Deswegen haben wir nur einen halben Edgar-Wright-Film bekommen … aber man ist der gut.

Ant-Man klingt erstmal nicht nach dem nächstbesten Superhelden, den man rauskramt, wenn man einen neuen Film machen will. Doch man merkt schnell, dass man mit Paul Rudd als sympathischen Dieb, alles richtig gemacht hat, um einen unterhaltsamen Heist-Film zu drehen. Nach guter alter Ocean’s Eleven-Manier werden hier Schrumpfanzüge, Ameisen, skurrile Mitstreiter und Michael Douglas angesammelt, um den großen Coup zu landen und die Welt zu retten.

Man merkt es vielleicht schon. Ich bin sehr begeistert! Und das trotz bekannter Strukturen und trotz eines unfassbar schwachen Antagonisten. Neben Guardians of the Galaxy hat mich dieser Superheldenfilm am meisten zum Lachen gebracht. Na gut. Da war noch Deadpool, der auch sehr lustig war, aber der gehört nicht zum MCU und Ant-Mans Humor passt einfach sehr viel besser zu meinen Lachreflexen. Und wenn ihr jetzt immer noch keinen Bock auf den Film habt und Insekten sowieso widerlig findet, dann solltet ihr Ant-Man trotzdem gucken.

The Road To Civil War

Es wird ernst im Marvel Cinematic Universe. Captain America und Iron Man stehen sich gegenüber und sie bringen ihre Freunde mit. Am 28. April kommt Captain America – Civil War in die deutschen Kinos und die Kritiker bejubeln den Film bereits. Um auch noch die letzten verschlafenen Seelen einzustimmen, empfehle ich diesen Zusammenschnitt der vergangen Filme, der die entscheidenden Ereignisse in Szene setzt.

Die Ereignisse des Films basieren zum Teil auf der gleichnamigen Comicreihe, in die ich auch reingelesen habe. Anders als im Comic haben wir es hier mit einer überschaubaren Menge an Superhelden zu tun. Trotzdem gibt es ein paar Neuzugänge, die wir so noch nicht gesehen haben. Black Panther und ein neuer Spider-Man gesellen sich zu der illustren Runde. Auch darüber habe ich nur Gutes gehört. Ein Grund mehr, nächste Woche ins Kino zu gehen.

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