Die Leiden der jungen Zwanziger.

Wohin geht die Reise nach der Schulzeit? Wir ziehen aus, weg und um. Die Ausbildung beginnt und neue Freunde betreten unsere kleine Welt, die größer wird — zumindest laut Facebook. 500 Freunde. Wow. Man merkt erst spät, dass man für eine dicke Freundesliste nicht nur Altlasten in Form von Macken und Ticks hinter sich lassen muss, sondern auch ein paar seiner liebsten Schulgefährten. 

Die Zahl, die uns auf jedem Facebook-Profil entgegenstrahlt ist ein diffuses Konglomerat diverser Bekanntschaften. Es ist eine Bekanntschaftsliste. Klingt uncool, aber wer wirklich glaubt, 500 Freunde haben zu können, hatte noch nie eine einzige echte Freundschaft.

Ich schreibe das nicht, um Facebook zu verdammen. Das kann und macht ja jeder. Ständig. Wir sind am Meckern und Verdammen. Nicht so laut, wie andere, aber es gibt sie. Diese Facebookposts, die einen nur anbrüllen, so hasserfüllt und klagend wie sie geschrieben sind. Und man kann sie nicht mal liken.

Eigentlich sind wir keine Meckergeneration. Wir sind einfach permanent unzufrieden mit irgendwas oder sind auf der Suche nach irgendwas, um damit unzufrieden zu sein. An sich ist alles bestens und uns geht’s ja eigentlich gut. Aber es könnte doch noch soooo viel besser sein. 

Mit gesenktem Kopf gehen wir an Obdachlosen vorbei, während wir darüber nachdenken, wie wir unser Leben in den Griff kriegen können. Wir wollen es optimieren. Wir sind ein Unternehmen, welches viel Gewinn abwerfen muss, weil es sonst auf der sozialen Börse schlechte Bewertungen kriegt.

So ein Unsinn.

Global Game Jam 2013.

Die Global Game Jam ist ein weltweites Fest der Liebe. Für Videospiele und deren Entwickler. Ziel ist es, ein Spiel zu einem Oberthema innerhalb von 48 Stunden zu entwickeln. Mittel und Teamgröße sind egal. Hauptsache man hat Spaß.

Ich machte mit und fuhr dafür in die Büros von Innogames. Die entwickeln normalerweise Browsergames und veranstalten manchmal Game Jams für Mitarbeiter und Außenstehende. Ich hätte auch zuhause, allein in meinem Kämmerchen ein Spiel machen können. Dann hätte ich aber auf die großartigen Menschen und die kostenlose Verpflegung verzichten müssen. Es gab nämlich reihenweise Red Bull, Cola, Club Mate, Kaffee, Snacks und zu jeder vollen Mahlzeit einen Besuch vom Lieferhelden.

Das diesjährige Thema war “Herzschlag” und wir fanden uns zu fünft zusammen, um an einem Game für iPad und iPhone zu werkeln. Wir waren drei Entwickler, ein Game Designer und ich als Grafiker. Ihr könnt euch die Ausgangssituation ungefähr so vorstellen: man betritt diesen riesigen Büro-/Konferenzraum, überall stehen Tische auf denen Kabel und Stecker bereitliegen und man stellt sich einer Masse von Nerds vor, deren Qualifikationen abstrakte Begriffe aus der Informatikwelt sind. Darunter sind dann ein paar gewöhnliche Grafikdesigner, die immerhin Photoshop und 3D-Animation als Buzzwords bringen können.

Das Team

Wir waren also das iPhone-Team. Die meisten anderen entwickelten auf Javascript-Basis, um im Browser spielbar zu sein. Wir hatten dafür fancy Touchgesten und Retinadisplays. Und was macht man damit? Nach fünf Stunden Brainstorming entschieden wir uns für ein Survival-Horror-Spiel. 

Meine erste Aufgabe war die Erstellung simpler Grafiken, um einen Prototypen zu befüllen. Es folgte eine lange, sehr lange Phase, in der ich mich mit der Hauptfigur beschäftigte. Ich klickte mir mit meiner Maus Pixelgrafiken zusammen, weil ich bis heute kein vernünftiges Grafiktablett besitze. So entstand ein kleines Mädchen, die ihren Teddybären trägt. Außerdem erweiterte ich unser erstes Level um immer mehr Effekte und weitere Gegenstände. Nach mehreren Stunden brannten sich unendlich viele Photoshop-Tastenkombinationen in mein Gehirn ein. 

Aber nochmal einen Schritt zurück. Die erste Hürde ist natürlich das Teamwork. Man kennt sich in der Regel nicht und muss Geschmäcker und Fähigkeiten abtasten, bis man zu einem gemeinsamen Plan findet. Dann folgt im besten Fall die Arbeit an den einzelnen Elementen. Ich entwarf Grafiken und die Programmierer entwickelten ein stabiles Grundgerüst für unser Spiel. Unser Gamedesigner war derweil mit Konzeption und Leveldesign beschäftigt, sodass jeder für sich arbeitet, bis die einzelnen Aufgaben sich überschneiden. Irgendwann danach entsteht die Magie und ein erstes Spiel kann auf dem iPad gestartet werden. Natürlich stimmt noch gar nichts und man erkennt nur vage ein Spiel hinter den flimmernden Grafiken. Aber jeder im Team hat ein fettes Grinsen im Gesicht. So entsteht die Motivation, die ich beim Spiele Entwickeln und speziell bei Game Jams verehre und liebe.

Lan-Party

In den frühen Morgenstunden ab 3 Uhr waren wir nur noch zu zweit im Team. Um uns herum waren noch immer genug andere Nachteulen, die die Zeit nutzten. Alle anderen waren zuhause, um Mittags wieder anzutanzen, oder schliefen im hinteren Bereich in ihren Schlafsäcken. Ich genoss diese Zeit immer besonders, weil sie mich an etwas erinnerte: Lan-Partys. Der Gedanke schwirrte mir die gesamte Jam durch den Kopf, denn nichts beschreibt die Atmosphäre auf dieser Veranstaltung so gut wie das Gefühl, auf einer Lan-Party zu sein. Um einen herum wird von “Gegnern” und “Delays” gefachsimpelt, man trinkt literweise Koffein und ernährt sich von Pizza und Schokoriegeln. Es gibt nur einen Unterschied: man spielt nicht, sondern macht Spiele.

Am dritten Tag, nach insgesamt sieben Stunden Schlaf auf hartem Boden, begann die kritische Endphase. Die ToDo-Listen füllten sich und die Ansprüche stiegen, bevor sie wieder gestrichen und verworfen wurden. Man darf nicht perfektionistisch werden und sich in Details verlieren. Wir taten es und so schafften es weder die Credits noch das Outro ins fertige Spiel, aber wir hatten dafür einen prächtigen Sound und ein paar hübsche Animationen. Unser Spiel “Nykto” fand ein drastisches Ende und besitzt nur ein Level, aber der Spaß im Team und die Erfahrungen machen das kleine Spiel zu etwas ganz besonderem.

Wenn ihr es spielen wollt, installiert Testflight auf eurem iOS-Gerät und schreibt mich an! Ansonsten kann ich euch empfehlen, die Spiele der anderen Teams anzuspielen. Da sind definitiv ein paar abgefahrene Schätze dabei und keins gleicht dem anderen.

Umbra

Umbra ist das Werk meiner Kommilitonin Nina und mir. Es war die Semesterarbeit für unseren Kurs “Zeitbezogene Medien”. Es sollte ein Stopmotion-Film zum Thema “Illusion” entstehen.

Die Hauptrolle spielt eine surreale Stadt, deren Silhouette mysteriös und düster am Betrachter vorbeizieht. Das Endergebnis mag simpel und diffus erscheinen, wenn man nicht über den Aufnahmeprozess Bescheid weiß.

Umbra entstand aus Dutzenden Scherenschnitten, die auf zwei runden Holzplatten gegen ein beleuchtetes Blatt gedreht wurden. Die Konstruktion entstand in Zusammenarbeit mit Ninas Vater. Vielen Dank nochmal!

Die Musik ist von Newgrounds-User MrMusicalLion (LINK). Außerdem habe ich soundtechnisch ein wenig ausprobiert. So läuft der Song ab der zweiten Hälfte rückwärts. Weiterhin nutzte ich den Stereoklang, um den Song mit subtilen Stadtgeräuschen zu untermalen und die Verwirrung in dem audiovisuellen Spiel zu verstärken.

🔗 ccatch 0.6

Nach vielen Wochen Arbeit und Prokrastination präsentiere ich die zweite Version meines ersten Spiels: ccatch 0.6! Es wurde komplett überarbeitet und läuft jetzt auf HTML5-Basis in den meisten modernen Browsern und sogar auf einigen Smartphones.

Neben einer rudimentären Tastatur-Steuerung wurde auch ein neues Level-System eingeführt, welches den Schwierigkeitsgrad nicht mehr nach Zeit erhöht, sondern nach Leistung. Probiert es aus und lasst es euch gefallen.

Irgendwo eingraben…

…und ungestört den Sand in den Haaren zählen. Das wär’s jetzt. Irgendwie entwickelte sich dieser Weihnachtsmonat zu einem ungewöhnlichen Stressfaktor. Wo ich sonst so unbekümmert die Weihnachtstage als ruhige und friedliche Zeit empfand, war das jetzt anders.

Drei Wochen Ferien. Zeit, um alle zu sehen, um alle herzlich in die Arme zu nehmen und die Heimat zu einem schöneren Ort zu machen. Doch wie macht man das, wenn man selbst nicht genug gute Laune getankt hat? Wenn man eigentlich lieber das Handy ausschalten will und stundenlang einer Person lauschen möchte, die mal ausnahmsweise keine Probleme hat?

Wie dem auch sei. Weihnachten hat mich einfach kalt erwischt. Ich werde mich für die nächsten Tage warm anziehen, das Jahr voller Optimismus beenden und den Mangel an Geschenken und Grußkarten als Siegeszug gegen das kapitalistische Fest feiern.

Digitale Wunschliste

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Hohoho. Deswegen nehme ich mir das Recht heraus, ein paar Links zu Spielen aufzulisten, die ich gerne in meiner Sammlung hätte.

SimCity 2000 (Thx!)
Ein grandioser Einstieg in das Tycoon-Genre. Es kann sogar sein, dass ich es zunächst auf einem Super Nintendo gespielt hatte. Auf alle Fälle war ich über mehrere Jahre hinweg immer wieder im SimCity-Fieber und installierte eine Version (meist SimCity 3000) auf meinem PC.

RollerCoaster Tycoon 2 (Dankeschön!)
Neben SimCity gab es natürlich noch ein tolles, wenn nicht sogar tolleres, Simulationsspiel. In RollerCoaster Tycoon konnte man seinen eigenen Freizeitpark bauen und Achterbahnen gestalten. Was habe ich dieses Spiel geliebt!

Hotline Miami (Überraschung!)
Und noch ein kleiner brutaler Ausreißer. Das aktuelle Indiespiel Hotline Miami geizt nicht mit Blut und erfreut sich größter Beliebtheit bei Kritikern. In Anlehnung an den Film Drive schlägt und schießt man sich maskiert durch Gegnerhorden. Dabei sind Taktik und Timing gefragt, weil Fehler nicht verziehen werden.

🔗 Bambule zum Thema „Werteverfall“

Bambule zum Thema „Werteverfall“